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3. Säule mit 30? Wann ist es Zeit, sich um Vorsorge zu kümmern

3 Säule mit 30
Lesedauer 4 Minuten

50% der Schweizer zwischen 18 und 30 Jahren haben keine 3. Säule. Das sind doppelt so viele im Vergleich mit allen Erwachsenen. Gründe dafür sind das junge Alter und das fehlende Know-How. Doch wann ist der Zeitpunkt richtig, sich um Vorsorge zu kümmern? Und was braucht’s dazu? Wir geben eine schnelle Orientierung zur 3. Säule.

Die Raiffeisen hat zusammen mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW die Schweizer zum Thema Altersvorsorge befragt und die Ergebnisse im Vorsorgebarometer 2018  zusammengefasst. Darin lesen wir einerseits, dass das Vorsorgewissen der Schweizer nicht besonders ausgeprägt ist. Andererseits ist das Vertrauen ins Vorsorgesystem eher gering, es herrscht die Überzeugung, man müsste sich schon selber kümmern. Gleichzeitig unterschätzen viele Schweizer ihren Bedarf im Ruhestand – und laufen damit Gefahr, später nicht das nötige Geld zur Verfügung zu haben.

Ein paar grundlegende Erkenntnisse aus der Studie
  • Das Wissen und die eigene Kompetenz zur Vorsorge sind gering (340 von 1000 Index-Punkten), verglichen mit „ich vertraue dem Drei-Säulensystem“ (620 von 1000) und „ich kümmere mich / meine Einstellung zur Vorsorge“ (642 von 1000).
  • 75% sehen die Verantwortung für die finanzielle Altersvorsorge bei sich selbst (80% in D-CH, 66% in der Romandie und 62% im Tessin.
  • „Hilf dir selbst, dann ist dir geholfen“: Das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit und Finanzkraft der eigenen, privaten Altersvorsorge mit der 3. Säule ist am grössten (45%); AHV und 2. Säule kommen lediglich je auf 15%.
  • Im Schweizer Vorsorgesystem sollten die Mittel aus AHV und Pensionskasse rund 60 Prozent des vor der Pensionierung erzielten Einkommens erreichen – dies gilt für durchschnittliche Einkommen. Aber: 63% der Befragten meinen, dass sie nach der Pensionierung gleich viel oder gar MEHR Geld brauchen als mit 55-65 Jahren. Von den jungen Erwachsenen (18-30 Jahre) glauben sogar 22%, dass sie mehr brauchen; dies glauben nur 2% der älteren Erwachsenen (51-65 Jahre). Viele unterschätzen somit ihre Vorsorgelücke: Während das Vorsorgesystem für durchschnittliche Einkommen auf rund ein Drittel weniger Einkommen nach der Pension ausgerichtet ist, wollen zwei Drittel der Befragten gleich viel oder mehr. Bei Smolio gehen wir in den Standardeinstellungen im Vorsorge-Cockpit von der bewährten Faustregel aus, wonach das Einkommen nach der Pensionierung 80% des Erwerbseinkommens erreichen sollte.

Der Mix aus nicht-Wissen zur Altersvorsorge und falscher Einschätzung der Situation ist kritisch

84% beschäftigen sich nicht, zu wenig oder zu spät mit dem Thema Altersvorsorge. Sich im Internet zu informieren, also selbst aktiv zu werden, finden die meisten mühsam, daher wenden ein Fünftel der Schweizer sich am ehesten noch ans eigene Umfeld. Die junge Altersgruppe (18- bis 30-Jahre) vertraut sogar zu fast 40% der Meinung von Freunden, Bekannten und Verwandten. Für sie spielen Peergroups und privates Umfeld eine viel grössere Rolle als unabhängige Berater, Banken oder Versicherungen. Nur Wenige informieren sich über das Thema Altersvorsorge im Internet. Vielleicht, weil das Thema Altersvorsorge oft als kompliziert eingeschätzt wird. Du gehörst nicht dazu, sonst würdest du diesen Beitrag nicht lesen…

Die Zahlen aus der Befragung im Detail
  • Warum setzt man sich mit dem Thema Altersvorsorge auseinander? Lebensstandard im Alter halten (35%), Unsicherheit in Bezug auf das Schweizer Vorsorgesystem (22%), Steuern sparen (18%). Vereinfacht gesagt: Für fast 60% ist Angst das zentrale Motiv.
  • Warum beschäftigt man sich nicht mit dem Thema Altersvorsorge? Zu jung (44%), kein /zu wenig Geld (40%), zu kompliziert (22%), interessiert nicht (9%). Dazu gilt: je jünger du bist, je früher du anfängst dich mit dem Thema auseinanderzusetzen, umso besser für dich. Warum das so ist, kannst du im Beitrag über die Zinseszins-Effekte früher Einzahlungen in die 3. Säule nachlesen.
  • Wo sucht man Rat zum Thema Altersvorsorge? Freunde/Verwandte/Bekannte (20%), unabhängiger Berater (18%), Bank (17%), Versicherung (8%). Der Vergleich mit den Daten der jungen Erwachsenen zeigt, dass für diese die Bedeutung von klassischen Anlaufstellen (unabhängige Berater, Bank, Versicherung) viel tiefer ist.

Dritte Säule, das Naheliegende

Geld in eine 3. Säule anzulegen gehört zu den Basics der Vorsorge in der Schweiz. Wie Zähneputzen im Alltag. Denn wer sich nicht gross auskennt, geht damit auf Nummer sicher und macht nichts falsch. Umso erstaunlicher: Viele haben keine 3. Säule – sogar die Hälfte der Erwachsenen bis 30 Jahre. Die Hälfte der jungen Schweizer hat keine Ahnung über ihre Ertragschancen mit einer 3a-Anlage in Wertschriften. Finanzielle Bildung und selbstverantwortliches Handeln sieht anders aus.

So steht es um die 3. Säule
  • 50% der Jungen (18-30 Jahre) haben keine 3. Säule – im Vergleich zu 25% bei Allen. Von allen die einzahlen, zahlt ein Viertel wenig oder fast nichts ein.
  • Von denen mit einer 3. Säule investieren nur 27% aller Erwachsenen in Wertschriften. „Lieber Geld auf Sicher als Mehrertrag“ ist offenbar das Credo der Meisten. Dies obwohl die Ertragschance bei einer Anlage in Wertschriften auf einen langen Anlagezeitraum substanziell höher sind als bei 3a-Konten oder 3a-Versicherungspolicen. Erschreckende 51% haben das Geld in eine 3a-Versicherungspolice gesteckt – das freut deren Verkäufer. Diese erzielen ihr Einkommen teilweise zu 100% aus den Abschlussprovisionen, die sie von der Versicherung für den Abschluss deiner 3a-Versicherungspolice bekommen. Selbstredend belastet die Versicherung diese Abschlussprovision deiner 3a-Versicherungspolice – weshalb der sogenannte Rückkaufwert („wieviel Geld bekomme ich bei Auflösung der Versicherung zurück?“) in den ersten 2-3 Jahren meist Null Komma Null ist. Eine 3a-Lebensversicherung ist nicht grundsätzlich schlecht, aber lange nicht für jeden optimal.
  • 52% der Jungen sagen „kenne mich mit Wertschriften zu wenig aus“ – obwohl dazu gar nicht soviel Wissen nötig ist. Immerhin sagen nur 13% dass sich eine „Wertschriftenanlage nicht lohnt, ist zu wenig Geld“.

Die Mittel für eine 3a-Anlage wären also da, es mangelt am „Auskennen“

Interessant ist: Die Studie stellt auch fest, dass jene, die sich mit dem Vorsorgesystem auskennen mehr einzahlen. Was bedeutet das also? Sollen wir den „Auskennern“ vertrauen und es ihnen gleich tun? So nach dem Forrest-Gump-Motto „Wenn es eine Schlange gibt, stell dich an. Du weisst nie, wofür es gut ist“?  Im Zweifel schon, allerdings wäre es erstrebenswerter sich selbst einen Überblick zu verschaffen und zu wissen, wofür du anstehst.

Daher haben wir für dich einen Aktionsplan für eine schnelle Orientierung zur 3. Säule zusammengestellt

1. Aufschlauen

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen findest du in diesem Beitrag über die häufigsten Irr(Glauben) zur 3. Säule. Wir räumen dort mit dem Halbwissen auf: Ja, das Geld ist gebunden, aber es gibt Ausnahmen.

2. Auswählen

Du hast noch keine 3. Säule? Na dann wird es höchste Zeit damit zu beginnen. Bei einer Bank ein 3a-Konto eröffnen ist das Mindeste – und keine teuren 3a-Versicherung oder 3a Fondspolice andrehen lassen. Wir zeigen dir, wie du mit geringen Gebühren und dem Zinseszinseffekt das Maximum aus deiner 3. Säule rausholst. Die Ergebnisse dazu findest du in diesem Beitrag zur Wirkung des Zinseszinseffekts kostenoptimierter Anlagefonds in der 3. Säule. Wir haben ausserdem die Anbieter für günstige Wertschriftenanlagen in der 3. Säule verglichen: Viac macht das Rennen. Nachlesen kannst du die Details in diesem Beitrag über die besten Säule 3a Angebote mit den geringsten Kosten.

3. Alles rausholen

Du hast eine 3. Säule, aber den Beitrag fürs laufende Jahr noch nicht voll eingezahlt? Sofort überschüssiges Geld vom Konto räumen und bis zum Maximalbetrag in die 3. Säule einzahlen! Das gibt direkt Zinsen. Das Geld muss spätestens am Jahresende bei der Vorsorgestiftung angekommen sein. Der aktuelle Maximalbetrag ist CHF 6’768, alle Informationen zu den Sozialversicherungen 2018 findest in diesem Beitrag.

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Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
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