Finanzlexikon

Vorbezug für Wohneigentum (WEF) / Wohneigentumsförderung

Lesedauer < 1 Minute

Ein Vorbezug für Wohneigentum (WEF) ist “Kohle hole” aus der Pensionskasse oder Säule 3a vor dem Rentenalter in definierten Fällen.

Vorbezug für Wohneigentum (WEF) heisst, dass du dein Vorsorgevermögen vor der Pensionierung nutzt, um selbstgenutztes Wohneigentum zu finanzieren. Dazu kannst du Mittel ganz oder teilweise auszahlen lassen oder verpfänden. “Alles geht”: du darfst Mittel aus allen Quellen nutzen. Egal ob sie aus der obligatorischen, der überobligatorischen beruflichen Vorsorge, aus Freizügigkeitspolicen oder Freizügigkeitskonti oder der Säule 3a kommen. 

Der Zweck vom Vorbezug für Wohneigentum (WEF) ist gesetzlich auch ziemlich breit gefasst: du darfst dein Vorsorgevermögen nutzen, um Wohneigentum zu kaufen oder zu erstellen, auszubauen, umzubauen und bestehende Hypotheken zu tilgen. Oder du kannst Anteilscheine von Wohnbaugenossenschaften oder ähnlichen Beteiligungen kaufen. Nur selbstgenutzt am Wohnsitz muss das Wohneigentum sein, es darf nicht die schicke Ferienwohnung in den Bergen sein. 

Wie viel du vorbeziehen darfst hängt von deinem Alter ab (jünger / älter als 50). Und der ausgerichtete Vorbezug kürzt selbstverständlich die Höhe deiner künftigen Vorsorgeleistungen.  Wenn du Geld für Umbau- und Renovierungsarbeiten vorbeziehen willst und die Arbeiten selbst machst, ist das ein wenig mühsam. Denn erstens darfst du damit nur die Materialkosten bezahlen, nicht aber deine geleistete Arbeit, und zweitens zahlt deine Kasse oder Vorsorgestiftung Rechnungen nur direkt an die Materiallieferanten.

Unser Tipp: Darum ist es oft ratsam, keinen Vorbezug für Wohneigentum (WEF) zu machen, sondern dein Guthaben zu verpfänden. Denn dann sinkt der Vorsorgeschutz nicht. Nur wenn du deine Hypotheken nicht bedienen kannst und die Bank ihr Pfand verwerten will, ist auch dein Vorsorgeschutz in Höhe des verpfändeten Kapitals weg. Aber soweit soll es ja nicht kommen.

Wenn du noch mehr wissen möchtest, kannst du noch mehr zur Umsetzung bei einer der grössten Pensionskassen anschauen oder den Beitrag zur „Vorsorgesprache“ lesen.

About author

Articles

Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
Related posts
Pensionierung und Rente planenSchweizer Vorsorgesystem verstehen

AHV21, STAF und BVG-Reform: was bedeutet das für mich

Lesedauer 7 Minuten

Verschiedene Reformen im Schweizer Vorsorgesystem sind unterwegs. WTF bedeutet STAF? Und was kommt mit der geplanten AHV21 und der BVG-Reform auf mich zu? Wie lange muss ich noch arbeiten und was passiert mit meiner Rente? Wir bringen die Fakten und erklären was die Reformen für deine Finanzen bedeuten.

Read more
Pensionierung und Rente planen

Die finanziellen Folgen des Sabbaticals: Was bedeutet eine Auszeit für meine Rente?

Lesedauer 5 Minuten

Die Seele baumeln lassen, Pause machen, reisen, chillen. 3 von 4 Schweizer Arbeitnehmern träumen von einer Auszeit. Aber welche finanziellen Folgen des Sabbaticals gibt es eigentlich?

Read more
Finanzlexikon

Unterdeckung

Lesedauer < 1 Minute

Unterdeckung ist eine prekäre Situation, in der das Pensionskassen-Vermögen nicht für alle heutigen und künftigen Verpflichtungen reicht

Eine Vorsorgeeinrichtung muss stets in der Lage sein, ihre eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Eine einfache Kennzahl drückt dies aus: der Deckungsgrad. Er zeigt das Verhältnis zwischen dem Vermögen und den Verpflichtungen einer Vorsorgeeinrichtung.

Eine Unterdeckung besteht dann, wenn am Stichtag das verfügbare Vorsorgevermögen kleiner ist als das versicherungstechnisch notwendige Vorsorgekapital. Oder einfacher gesagt: der Deckungsgrad kleiner 100% ist. Oder noch einfacher: die Kasse hat aktuell nicht genug Vermögen, um neben den laufenden auch alle künftigen Versicherungszusagen vollständig zu bezahlen. Eine vorübergehende Unterdeckung ist zulässig, wenn deine Kasse ihre laufenden Verpflichtungen erfüllt. Um eine andauernde Unterdeckung zu beheben, muss die Kasse nach BVG Sanierungsmassnahmen einleiten. Das sind zeitlich befristete Massnahmen um die Unterdeckung in einer Frist von fünf bis sieben Jahren zu beheben. Solche Massnahmen werden in der Regel dann eingeleitet, wenn der Deckungsgrad unter 90 Prozent sinkt. Es ist zum Beispiel möglich die Anlagestrategie anzupassen, die Finanzierung anzupassen, künftige Leistungen zu reduzieren, den Umwandlungssatz zu senken, den Zins auf Altersguthaben zu senken oder den Arbeitgeber zu Sondereinlagen bewegen. Auch dürfen schliesslich Sanierungsbeiträge von den Versicherten  erhoben werden, wenn andere Massnahmen nicht zum Ziel führen. Erst wenn Sanierungsbeiträge von den Versicherten erhoben werden, führt die Unterdeckung der Kasse zu höheren Abzügen vom Lohn. 

Mehr dazu findest du beim Bundesamt für Sozialversicherungen.

Read more

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.