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Anlageklasse, Fonds und Portfolio-Diversifikation. Wie du besser vom Kapitalmarkt profitierst

Anlageklassen
Lesedauer 5 Minuten

Im letzten Beitrag haben wir die Grundlagen der Anlageklassen erklärt. Dabei geht es beim Anlegen am Kapitalmarkt weniger um ein entweder-oder. Was zählt ist der passende Mix. Und den schauen wir uns hier an.

Verschiedene Anlageklassen entwickeln sich im Zeitverlauf unterschiedlich. Sie schwanken unterschiedlich stark und werfen unterschiedlich viel Ertrag ab. In Performance-Tabellen kannst du die monatliche oder jährliche Erträge pro Anlageklasse ablesen. Dies kannst du für dich nutzen. Denn häufig ist es so, dass Anleihen steigen, wenn Aktien fallen und umgekehrt.

Vermögensverteilung auf Anlageklassen erhöht Ertrag und senkt Risiko

Durch die Aufteilung deines Vermögens auf verschiedene Anlageklassen kannst du gesamthaft den Ertrag (also die Rendite) auf dein Vermögen verbessern und die Schwankungsbreite (also das Risiko) senken. Studien zeigen, dass über 90 Prozent des Anlageerfolgs von der Vermögensaufteilung auf Anlageklassen abhängen. Dabei genügen im wesentlichen sogar nur die beiden Anlageklassen Aktien und Anleihen. Und es kommt nicht auf ein glückliches Händchen an, das die richtige Aktie findet (“Stock Picking”) oder gar zum perfekten Kaufzeitpunkt zuschlägt (“Market Timing”). Weshalb Ausdauer statt Market-Timing bei der Anlage gefragt sind, findest du in diesem Beitrag. Schauen wir uns nun die Unterschiede zwischen den Anlageklassen etwas genauer an. Falls du dich mit einem Berater einer Bank unterhälst, spricht er sicher cheffig von Assetclass. Genau das gleiche 😉

Aktien als Anlageklasse

Mit dem Kauf einer Aktie erwirbst du einen Anteil an einem Unternehmen – du wirst Miteigentümer des Unternehmens. Das Unternehmen investiert dein Kapital und wenn es Gewinne erzielt, bekommst du eine Ausschüttung. Aber: der Wert deiner Aktien schwankt, je nachdem wie gut es dem Unternehmen geht. Wenn das Unternehmen Bankrott geht, wird deine Aktie wertlos. Aktien lassen sich nach zahllosen Kriterien einteilen. Beispielweise ob es ein Standardwert oder Nebenwert ist, ob das Unternehmen in einem entwickelten Markt oder Schwellenland tätig ist, eine Wachstumstitel (Growth) oder Substanzpapier (Value) ist, oder in welcher Branche das Unternehmen tätig ist (z.B. Technologie,  Grundstoffe, Versorger, Konsumgüter, …).

Aktien haben langfristig die höchste zu erwartende Rendite aller Anlageklassen. Die hohe Renditeerwartung ist mit einem hohen Risiko verbunden.

Anleihen als Anlageklasse

Beim Kauf einer Anleihe leihst du einem Schuldner Geld. Der Schuldner kann beispielsweise ein Staat oder ein Unternehmen sein, das ein Zahlungsversprechen abgibt. Diese Zahlungsversprechen machen Banken als Anleihen handelbar. Dein Kapital plus Zinsen muss dir der Schuldner bei Fälligkeit der Anleihe zurückzahlen. Im Unterschied zur Aktie bist du Fremdkapitalgeber. Das bedeutet wenn dein Schuldner Bankrott geht, wirst du vor den Eigenkapitalgebern (z.B. Banken) bedient. Weil dadurch das Risiko für dich kleiner ist leer auszugehen als für die Eigentümer, ist auch deine zu erwartende Rendite geringer als bei einer Aktienanlage. Logisch oder?

Anleihen lassen sich ebenfalls nach zahllosen Kriterien einteilen. Zum Beispiel nach Laufzeit, nach Schuldnerbonität (Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen) oder nach Währung (Heimatwährung, Fremdwährung).

Dein Risiko für eine Rückzahlung (das sogenannten Ausfallrisiko) sinkt, wenn du Geld für eine überschaubare Zeit an einen guten Schuldner verleihst. Falls du Geld möglichst sicher anlegen willst, eignen sich Staatsanleihen mit höchster Bonität (Zuverlässigkeit) und kurzer Laufzeit (unter 2 Jahren). Diese bringen dir aktuell allerdings keine Verzinsung. Dafür ist die Sicherheit und Verfügbarkeit der Gelder am höchsten, dein Risiko am kleinsten. Genau genommen bekommst du nicht nur keine Verzinsung, dein Geld verliert aufgrund der Inflation auch noch an Wert – dessen Kaufkraft sinkt, die reale Rendite ist negativ. Das ist der Preis für Sicherheit.

Immobilien als Anlageklasse

Bei Immobilien gibt es neben der Direktanlage, also dem Kauf einer Liegenschaft oder Eigentumswohnung auch andere Investitionsmöglichkeiten. Eine Direktanlage bindet einen hohen Vermögensanteil in einer Kapitalanlage. Neben Direktanlagen kannst du auch über Immobilienaktien, Immobilienfonds, oder börsennotierte Immobiliengesellschaften (sog. Real Estate Investment Trusts, REITs) in eine Vielzahl an Immobilien investieren. REITs müssen mindestens 90 Prozent ihres Gewinns an ihre Anleger ausschütten. Du vermeidest so das Klumpenrisiko einer einzigen Immobilie.

Rohstoffe als Anlageklasse

Rohstoffanlagen sind für Privatanleger eine sehr anspruchsvolle Anlageklasse. Typische Rohstoffanlagen sind Terminkontrakte auf Öl, Kohle, Gold oder Silber. Alternativ gibt es Direktinvestments wie den Erwerb von physischen Gold oder Silber. Diese bringen allerdings Lagerrisiken und Einschränkungen in der Liquidierbarkeit mit sich. Der Nutzen von Rohstoffanlagen als Portfolio-Beimischung ist bei Anlageberatern umstritten, weil sie keine Erträge abwerfen und inflationsbereinigt keine Wertsteigerung zeigen. Häufig wird dennoch eine “Goldbeimischung” empfohlen: Diese Beimischung kannst du als eine Versicherungsprämie für dein Portfolio ansehen, da sich Gold typischerweise in unruhigen Marktphasen gegenläufig zu risikoreichen Anlagenklassen wie Aktien entwickelt.

Alternative Anlagen als Anlageklasse

Neben diesen vier klassischen Anlageklassen gibt es auch noch die Gruppe der sogenannten alternativen Anlagen.

Private Equity steht für unternehmerische Beteiligungen an nicht börsengehandelten Unternehmen. Diese sind risikoreich und schlecht liquidierbar.

Hedgefonds verfolgen unterschiedliche aktive Investmentansätze mit dem Ziel, sich durch sehr heterogene Investitionen von der Marktentwicklung abzukoppeln. Hedgefonds wollen “den Markt schlagen”. Hedgefondsmanager toben sich mit zahlreichen Strategien aus und lassen sich dafür entsprechend gut bezahlen….. Dein Risiko für Verluste ist hoch, ebenso die Chance auf Gewinn. an den Verlusten bist du voll beteiligt, von den Gewinnen schneiden sich die Hedgefonds meist eine Gewinnbeteiligung ab. Nicht gut für dich.

Peer-to-peer Investments. Technologie macht es heute möglich, dass du ohne Finanzinstitute als Vermittler Geld an eine Person oder Gruppe ausleihen oder in ein Vorhaben investieren kannst. Sie kommen beispielsweise als Crowdlending, Crowdproperty, Crowdfunding daher und locken mit hohen Renditeversprechen. Du weisst mittlerweile: Hohe Rendite bedeutet hohes Risiko.

Risikostreuung über Anlageklassen und Anlagefonds

Bei den Anlageklassen geht es um Risikostreuung (Diversifikation). Dein Geld ist kein Spielgeld im Casino, wo du “all in” Roulette spielst und auf eine Zahl setzt. Du verteilst dein Geld stattdessen smart auf verschiedene Anlageklassen. Du erinnerst dich: der Mix aus den beiden Anlageklassen Aktien und Anleihen erhöht die Rendite auf dein Vermögen und senkt gleichzeitig dessen Wertschwankungen.

Da liegt es auf der Hand, dass du auch innerhalb einer Anlageklasse nicht “all in” gehst und dein ganzes Geld auf eine einzelne Aktie oder Anleihe verwettest. Viel geschickter ist es stattdessen, dein Geld auf eine Vielzahl von beispielsweise Aktien oder Anleihen zu verteilen. Du legst also nicht alle Eier in einen Korb. Sondern besorgst dir Fonds. Statt Geld in ein Unternehmen oder einen Schuldner zu investieren verteilen Fonds dein Geld auf zahlreiche verschiedene Anlagen. Dadurch wirken sich Gewinne oder Verluste bei einem Bestandteil des Fonds nur noch anteilig auf dem Wert des Fonds und somit auf dich aus. Statt selbst einzelne Titel zu verwalten übernimmt dies der Fonds. Fonds sind aufgrund ihrer Risikostreuung eine gute Möglichkeit für die Geldanlage bei kleineren Vermögen. Fonds gibt es für so ziemlich alle Typen von Wertpapieren: für Aktien, für Anleihen, für Immobilien, für Rohstoffe und auch für Mischungen dieser Anlageklassen.

Aktive Fonds, Exchange Traded Funds und Indexfunds

Fonds unterscheiden sich auch danach, wie bzw. von wem die Bestandteile zusammengestellt werden. Bei aktiven Fonds entscheidet ein Fondsmanager aufgrund seiner Erfahrung, welche Anteile er im Zeitverlauf verkauft oder zukauft. Der Fondsmanager nimmt spürbare Gebühren dafür, die deinen Ertrag mindern. Wie negativ Gebühren die Vermögensentwicklung bremsen, kannst du in diesem Beitrag nachlesen.

Bei passiven Fonds wird das reingemischt, was zum Index gehört, den der Fonds abbildet. Zu den passiven Fonds gehören die Exchange Traded Funds (ETF) und die Indexfunds. Beide bestehen jeweils aus Wertpapieren derselben Anlageklasse und bilden genau die Marktentwicklung ihres Index ab. So gibt es beispielsweise ETFs, die sich am SMI und somit am Schweizer Markt orientieren. Da es wenig Aufwand macht einen Index nachzubilden und dies automatisiert erfolgt, zahlst du auch nur geringe Gebühren. Davon kannst du profitieren. Denn zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die grosse Mehrzahl der Fondsmanager in ihren Anlageentscheiden nicht besser sind als ein Indexfonds, der den Markt abbildet.

Fazit

Schliesslich geht es also darum, ob du glaubst den Markt schlagen zu können und dein Portfolio entsprechend selbst aus einzelnen Titeln zusammenstückelst. Wir meinen: du bist ziemlich mutig. Oder ob du darauf baust, dass ein teuer aktiv verwalteter Fonds entsprechend auch mehr Rendite bringt. Wir meinen: keine gute Idee. Oder ob du mit passiven Fonds (ETFs oder Indexfunds) automatisch der Entwicklung am Kapitalmarkt folgst. In diesem Beitrag kannst du dich schlau machen, wie das Trittbrettfahren mit passiven Fonds funktioniert.

Autor

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Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
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