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Corona und Aktien: Alles was du wissen musst

Corona und Aktien
Lesedauer 6 Minuten

Viele beschäftigen sich mit aktuell mit Corona und Aktien, wie wir aus den Fragen sehen, die die uns erreichen. Was soll ich jetzt mit meinen Aktien tun? Soll ich kaufen, verkaufen? Was bedeutet es für meine 3. Säule? Wir geben Antworten auf die häufigsten Fragen.

Was heisst das Corona Virus in nächster Zeit für die Börse?

Die künftige Entwicklung an der Börse hängt davon ab, welche Meinung sich am Markt zu zwei Fragen durchsetzt. Erstens, wie schnell kann sich das derzeit stark beeinträchtigte Wirtschaftsleben wieder normalisieren? Zweitens, wie gut können die verschiedenen Hilfsprogramme von Staaten und Zentralbanken Konkurse und Arbeitslosigkeit begrenzen?

Derzeit wird am Markt erwartet, dass es einen “U-Knick” im Wachstum geben wird. Also eine längere wirtschaftliche Delle mit anschliessendem Wiederanstieg im vierten Quartal 2020. Da die Fallzahlen in Europa und den USA weiter steigen werden, werden die Schwankungen am Markt weiter hoch bleiben. Entsprechend werden die Kurse vermutlich weiter fleissig obsi und nizi gehen. 

Dass eine wirtschaftliche Rezession kommen wird, darüber sind sich die Experten einig. Wie lange diese gehen wird, weiss niemand. Abgängig von der Dauer der Rezession können die Märkte durchaus noch weiter sinken. Oder schon bald wieder steigen, denn an der Börse gilt: “zum Einstieg wird nicht geklingelt”. Unser Partner Fintool beleuchtet den Zusammenhang von Rezession, Einstiegszeitpunkt, Rendite in diesem Video.

Jeden Tag kommen mehr bad News zu Corona und Aktien sinken täglich. Was soll ich machen?

Lass dich jetzt nicht von den Marktschwankungen oder dem Trommelfeuer schlechter Nachrichten aus der Ruhe bringen. Du hast deine Anlagen mit einem langfristigen Horizont (7-10 Jahre und mehr) gekauft. Von 1926 bis 2018 hast du über jeden beliebigen Anlagezeitraum von mehr als 13 Jahren mit Schweizer Aktien immer eine positive Gesamtrendite erzielt. Dies kannst du aus dem Renditedreieck für den Swiss Market Index ablesen. Der Wertzuwachs am Schweizer Aktienmarkt lag von Anfang 1926 bis Ende 2018 im Durchschnitt bei 7.6%. Auch bei Investitionen im ersten Jahr eines stark gefallenen Marktes konntest du als passiver Anleger in Schweizer Aktien in einer 7-Jahresperiode eine durchschnittliche Jahresrendite von 3.73% erzielen.. 

Corona und Aktien vertragen sich, denn Corona wird nach heutigem Stand keine Existenzbedrohung für eine relevante Zahl von Firmen auf der ganzen Welt sein.

Risikoappetit und Risikotoleranz

Wenn du mit den Schwankungen mental nicht (mehr) umgehen kannst, dann passt offenbar dein eingegangenes Risiko nicht mit deiner tatsächlichen Risikobereitschaft oder Risikofähigkeit zusammen. Sorry, du hast den Mund zu voll genommen.

Du verlierst mehr Geld, als du dir leisten kannst. “Leisten” hat hier zwei Bedeutungen: du kannst es dir mental nicht leisten, es stresst dich zu sehr. Dann bist du zu stark im Risiko was Risikobereitschaft angeht. Oder du kannst es dir finanziell nicht (mehr) leisten, dass die Kurse fallen, du brauchst das Geld in absehbarer Zeit. Dann bist du zu stark im Risiko was Risikotragfähigkeit angeht. Wenn einer der beiden Gründe zutrifft, hast du einen Fehler in deiner Vermögensaufteilung gemacht. Überlege dir deshalb ob du die Vermögensaufteilung anpassen musst. Jetzt verkaufen? Würden wir trotzdem nicht tun.

Die Kurse fallen. Alle verkaufen doch. Soll ich auch verkaufen?

Ball flach halten, nein. Corona und Aktien beissen sich nicht, denn du hast dein Anlageportfolio für einen langfristigen Horizont angelegt. Darum solltest du jetzt eine ruhige Hand bewahren. Wenn du jetzt verkaufst, realisierst du vermutlich einen Verlust gegenüber Zeitpunkt deines Kaufs. Wenn du deine Anlagen nicht verkaufst, sind sie nur weniger wert, aber du hast noch keinen Verlust. Darum “buy and hold until you’re old” durchziehen. 

Also warte einfach ab, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. “Hin und her zocken” und sich jetzt jeden Tag mit einem Blick ins Depot stressen hilft dir nicht.

Soll ich meinen ETF-Sparplan stoppen?

Nein, gerade jetzt bekommst du besonders viel für dein Geld. Der Sparplan läuft bitte schön automatisch weiter. Egal ob bei Wertschriften für die Säule 3a oder in der freien privaten Vorsorge Säule 3b. Denn du bekommst jetzt viel MEHR Anteile fürs Geld.

Soll ich jetzt mit einem ETF-Sparplan anfangen?

Am besten hörst du auf dein Bauchgefühl und bist da pragmatisch. Ist dir nicht ganz wohl dabei? Dann warte noch etwas zu, bis die Situation wieder übersichtlicher ist. Denn dein Bauchgefühl gibt dir jetzt eine gute Einschätzung, ob dein Depot zu deiner Risikobereitschaft passt. Und sowieso solltest du nur so viel Geld anlegen, wie du monatlich wirklich entbehren kannst. Wenn du jetzt mit einem Sparplan anfängst, steckt am Anfang noch wenig drin. Selbst wenn es an der Börse noch weiter nach unten geht, verlierst du nicht viel Geld.

Nach unserer eigenen Erfahrung sind Crashs wie dieser langfristig gute Kaufgelegenheiten. Mit einem Sparplan kannst du, wenn du ihn auch konsequent und langfristig durchziehst gut vom Durchschnittskosteneffekt profitieren. Corona Virus und Aktien spielen sich so gut in die Hand.

Wann ist der beste Zeitpunkt zu kaufen?

Wir sind keine Hellseher. Du findest nie den absoluten Tiefpunkt zum Kaufen und du hast ja auch nicht zum Hochpunkt verkauft, oder? Don’t worry, market timing gelingt auch Profis nicht. Derzeit ist die Unsicherheit am Markt sehr hoch. Darum schwanken die Kurs stark. Entsprechend hoch ist das Timing-Risiko. Daher gilt die Maxime: time not timing. Wenn du langfristig etwas anlegen möchtest, ist der beste Zeitpunkt anzufangen immer JETZT. Denn du machst deine Rendite über einen langen Anlagehorizont und nicht über den richtigen Zeitpunkt des Einstiegs. Als junger Mensch brauchst du dir über den Corona-Crash und den richtigen Einstiegszeitpunkt nicht so einen Kopf zu machen. Selbst wenn du den Tiefpunkt nicht erwischst (was ziemlich wahrscheinlich ist): wir meinen, das kannst du mit deinem langen Anlagehorizont getrost aussitzen. Und es gilt auch, dass an der Börse die Mehrheitsmeinung fast immer falsch ist. Corona und Altersvorsorge? Es könnte jetzt eine einmalige Chance für deine private Vorsorge sein. 

Denn in allen Arten von Krisen lohnt es sich, “gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind” (Warren Buffett), oder das „Material aufzunehmen, das die zittrigen Hände abgeben“ (André Kostolany) abgeben. Denn wie intensiv der Markt auf gute oder schlechte Nachrichten reagiert, hängt nur davon ab, ob Papiere in den Händen der Hartgesottenen oder der Zittrigen liegen. Geld, Gedanken, Geduld – und natürlich auch Glück unterscheidet die Hartgesottenen von den Zittrigen. Investoren folgen dem Fear & Greed Cycle

Soll ich jetzt kaufen oder wird es noch günstiger?

Derzeit wollen (aus verschiedenen Gründen) mehr Leute ihre Anlagen loswerden als Leute bereit sind zu kaufen. Darum sinkt der Preis (=Kurs) an den Märkten. Grundsätzlich ergibt sich der Wert eines Unternehmens aus den erwarteten künftigen Gewinnen. Wie viel man bereit ist für die künftigen Gewinne zu bezahlen, ist eine Frage des Bewertungsniveaus im Markt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) drückt dies auf Ebene eines einzelnen Unternehmens aus, das über 10 Jahre geglättete, Inflationsbereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller-CAPE) ist eine Weiterentwicklung davon. Derzeit musst du für künftige Gewinne sehr viel weniger bezahlen als noch vor 3 Monaten. Viele Studien belegen, dass diejenigen Aktienmärkte, die gemäss dem zyklisch adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller-CAPE) attraktiv bewertet sind, langfristig das größte Renditepotential haben. 

Derzeit sind gemäss Shiller-CAPE viele Märkte bereits günstig bewertet. Heute lässt sich jedoch unmöglich vorhersagen, ob in den kommenden Monaten V-, U- oder L-Szenario eintreten wird und welche Auswirkungen dies auf das Bewertungsniveau haben wird. Langfristig bietet das aktuelle Niveau vermutlich für Menschen, die ihre Altersvorsorge noch aufbauen, eine wunderbare Chance, sich jetzt viel günstiger mit Vermögenswerten einzudecken. 

Welche Aktien soll ich jetzt kaufen?

Auch wenn es angesichts der substanziellen Kursrückgänge vieler Aktien (30-50%) verlockend sein mag, würden wir den Kauf von Einzeltiteln (“Stockpicking”) Profis überlassen und stattdessen auf ganze Märkte mit ETFs setzen.

Ich habe Mitarbeiter-Aktien. Was soll ich tun?

Oops. Verschiedene Aktien von grossen Unternehmen sind um mehr als 50% gefallen. Wir hoffen, dass die Aktien deines Arbeitgebers kein Klumpenrisiko in deinem Anlageportfolio ausmachen? Denn bei aller Loyalität zu deinem Unternehmen solltest du nicht gleichzeitig deinen Lohn und dein Vermögen von der Entwicklung eines Unternehmens abhängig machen. Der Anteil sollte nur so hoch sein, dass du auch einen Wertverlust dieser Aktien um zwei Drittel (66%) verkraften kannst ohne dass deine Altersvorsorge ruiniert ist. Grundsätzlich empfehlen wir die Diversifikationsregel: “Don’t put all eggs in one basket”.

Corona und Aktien: was passiert bei AHV, Pensionskasse und Säule 3a?

Deine Altersvorsorge besteht aus 3 Säulen. Die 1. Säule ist mit der AHV überwiegend eine Umverteilungsmaschine: was reinkommt geht gleich wieder raus und es gibt einen gewissen Liquiditätspuffer für ein paar Monate. Der entsprechende AHV Ausgleichsfonds compenswiss hält etwa ¼ des Anlagevermögens in Aktien, die derzeit neu bewertet wurden. Die Neubewertung verursacht für dich zunächst kein Problem, denn AHV-Defizite gleicht der Bund aus.

In der 2. Säule hält deine Pensionskasse dein Altersguthaben in verschiedenen Anlageklassen. Nach aktuellster Pensionskassenstudie per Stichtag Ende 2018 sind davon rund 30% in Aktien, 25% in Immobilien, 31% in Anleihen, 6% in Bargeld, der Rest in anderen Werten angelegt. 

Weil die Kurse gesunken sind, hat die Pensionskasse weniger auf deinem Altersguthaben verdient. Darum wirst du fürs Jahr 2020 ziemlich sicher weniger Rendite auf dem überobligatorischen Teil (“Altersgutschrift”) bekommen. Da die PK den BVG-Mindestzins zahlen muss, könnte es auch noch sein, dass der Bundesrat diesen 2020 senkt.

In der Säule 3a hängen die Folgen der Neubewertung vom gewählten 3a Produkt ab. Mit einem 3a Sparkonto bist du nicht betroffen. Bei einer Wertschriftenlösung in der Säule 3a hast du einen Buchverlust, bei einer 3a Versicherungslösung treffen dich die Neubewertungen je nachdem ob du ein Sparkonto oder eine Fondslösung gewählt hast.

Zusammenfassung

Niemand kennt die Zukunft. Wir nicht, du nicht.  Von Spekulieren und Zocken (rein raus mit Einzeltiteln, market timing) raten wir wie bisher ab. Denn an der Börse gilt “Time not Timing”: für die Rendite kommt es auf einen langen Anlagehorizont an, nicht auf den richtigen Einstiegszeitpunkt. 

Corona hin, Corona her – für Corona und Aktien gilt: konstant dran bleiben. Akzeptiere demütig “ich weiss, dass ich nichts weiss” und bleib bei deinem Plan: Geld sicher schrittweise anlegen. Und wenn du und dein Bauchgefühl sich damit wohlfühlen, bekommst du jetzt zu viel niedrigeren Kursen viel mehr fürs Geld.

Und: Anlagen sind mit Risiken verbunden – wir weisen deshalb ausdrücklich auf unsere Nutzungsbestimmungen und den Haftungsausschluss hin.

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Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
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