Pensionierung und Rente planenSchweizer Vorsorgesystem verstehen

Einkommen vs. Auskommen. Wie viel Einkommen du im Ruhestand brauchst für dein Auskommen

Smolio Wissen_Einkommen vs Auskommen_3 Säulen
Lesedauer 3 Minuten

Wie viel Einkommen du im Alter brauchst ist individuell unterschiedlich. Wovon du jedoch ausgehen kannst ist, dass du als Pensionierter ohne eigene Vorsorgemassnahmen viel weniger haben wirst als heute. Und zwar rund 40% weniger Einkommen, mit dem du auskommen musst. Wie kommt diese Einkommenseinbusse zustande und wie kannst du sie ausgleichen?

Das Schweizer Vorsorgesystem besteht aus zwei obligatorischen und einer wählbaren Säule. Die erste Säule (AHV, Alters- und Hinterbliebenenversicherung) und die zweiten Säule (BVG, Gesetz über die berufliche Vorsorge) sollen dir nach der Pensionierung ein Einkommen von rund 60% des Bruttoeinkommens sicherstellen – also 40% weniger als du jetzt hast. Dies gilt allerdings auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn du «ordentlich» pensioniert wirst (Männer mit 65, Frauen mit 64) und seit dem 20. Lebensjahr immer mindestens soviel wie der Durchschnitt aller anderen eingezahlt hast. Hast du? Immerhin. Denn gemäss Bundesamt für Statistik gehen rund 40 Prozent der Erwerbspersonen vor dem ordentlichen Pensionsalter in Rente – freiwillig oder unfreiwillig. Und tragen die entsprechenden lebenslangen Renteneinbussen in erster und zweiter Säule.

Wenn du nicht selbst handelst, wirst du also nach deiner Pensionierung die staatlich geregelten Leistungen (AHV, VG) als Ruhestandseinkommen beziehen. So viel und nicht mehr. Damit das nicht sein muss, gibt es in der Schweiz die dritte Säule. Sie soll Herrn und Frau Schweizer ermöglichen Vorsorgelücken zu reduzieren oder zu schliessen. Gemäss einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft kümmern sich jedoch nur rund 60% der Deutschschweizer um ihre dritte Säule. Dies deckt sich mit Studien, z.B. dem repräsentativen Vorsorgemonitor der UBS.  Demzufolge besitzt nur etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Erwerbstätigen ein Säule-3a-Konto. Gehörst Du dazu ?

Dein vollständiges Vorsorgeportfolio sollte auf 3 Säulen und zusätzlich freiem Vermögen aufbauen. So kann das Einkommen bei der Pensionierung aussehen, basierend auf Schweizer Durchschnittswerten.

Grundlagenwissen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der 3 Säulen.

1. Säule

Die 1. Säule ist eine umlagefinanzierte Pflichtversicherung für die ganze Bevölkerung. Umlagefinanziert bedeutet, dass die Beiträge der Einen (berufstätige Einzahler) gleich wieder an Andere (Rentner) ausgeschüttet werden. Die AHV führt bei den verschiedenen Ausgleichskassen für dich ein sogenanntes individuelles Konto. Dies sammelt Informationen, die zur Berechnung deiner künftigen AHV-Rente erforderlich sind. Es ist aber kein Vermögenskonto mit echten Werten. Die AHV ist eine Grundsicherung, die die Existenz sichern und Armut im Alter vermeiden soll.

2. Säule

Die 2. Säule ist eine kapitalgedeckte Versicherung für die berufstätige Bevölkerung. Kapitalgedeckt bedeutet, dass deine Beiträge als Einzahler deinem individuellen Konto bei deiner Pensionskasse gutgeschrieben werden. Du kannst das mit einem Sperrkonto bei einem Finanzinstitut vergleichen, auf das du nicht zugreifen bis du pensioniert wirst. Das «Finanzinstitut» ist im Regelfall deine Pensionskasse, die dein Vermögen bewirtschaftet und vermehrt. Dieses Vermögen gehört dir und soll dir nach der Pensionierung erlauben, deine Lebenshaltungskosten zu decken.

3. Säule

Die 3. Säule ist deine freiwillige und private Vorsorge. Du hast wie bei der zweiten Säule ein oder mehrere individuelle Konten. Diese sind wie die zweite Säule kapitalgedeckt – du zahlst auf dein Konto ein. Im Fall der Säule 3a ist das Geld grundsätzlich bis zu deiner Pensionierung gesperrt. Das nennt man “gebundene Selbstvorsorge”. Vorher gibt es genau definierte Fälle, in denen du die gebundenen 3a-Mittel wieder beziehen kannst: wenn du dich selbständig machst, aus der Schweiz auswanderst, die Mittel für eine selbstgenutzte Immobilie brauchst oder dich in deine Pensionskasse einkaufen willst. Um dich zu motivieren Geld zurückzulegen, wird die Säule 3a steuerlich sehr stark gefördert. Dein Vermögen in der 3. Säule (gebundene Vorsorge und die sog. ungebundene Vorsorge, also dein  freies Vermögen) soll die erste und zweite Säule ergänzen und Vorsorgelücken aus der ersten und zweiten Säule reduzieren oder schliessen.

Was kannst Du nun für dein Auskommen tun? Nun, du kannst die «harte Tour» gehen und dein Haushaltsbudget für den Ruhestand aufstellen. Das ist sehr empfehlenswert. So kannst du genau ermitteln, ob das Ruhestandseinkommen aus AHV und Pensionskasse reicht. Oder du ziehst die Faustregel heran, nach der du auch im Ruhestand rund 80% deines letzten Bruttoeinkommens als Einkommen brauchst, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. 20 Prozent sind entbehrlich, etwa weil direkt berufsbezogene Ausgaben und Fahrtkosten wegfallen, Zinszahlungen für die Hypothek von Eigentumswohnung oder Haus entfallen oder kleiner sind, die Ansparphase für die private Vorsorge endet, oder deine Kinder Ausbildung / Studium abgeschlossen haben und keine Unterstützungsleistungen mehr brauchen. Andererseits können auch Ausgaben hinzukommen, weil du beispielsweise mehr Zeit für ein Hobby hast oder endlich deine Reiseträume umsetzen willst oder einfach Geld für medizinische Behandlungen benötigst. Unter dem Strich gehen Experten davon aus, dass du im Alter weniger Geld brauchst als im Arbeitsleben – daher die 80%-Faustregel.

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