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Pensionskasseneinkauf: Mehr oder weniger einzahlen?

Pensionskasseneinkauf
Lesedauer 5 Minuten

Wir hatten es schon geschrieben, für die Pensionskasse gilt „je mehr du einzahlst, desto mehr bekommst du heraus“. Die Pensionskasse wählt zwar dein Arbeitgeber, jedoch hast du bei vielen Pensionskassen die Wahl. Du kannst freiwillig eine höhere Sparvariante wählen, einen Pensionskasseneinkauf oder einen Vorbezug machen. Entdecke, welche Überlegungen sich dabei lohnen.

In der 2. Säule, der beruflichen Vorsorge (BVG) werden die von dir und deinem Arbeitgeber eingezahlten Beiträge von einer Vorsorgeeinrichtung angelegt und verzinst. So wächst dein Altersguthaben, das du schliesslich einmalig beziehen oder in eine lebenslange Rente umwandeln kannst. Wenn du einen Pensionskasseneinkauf machst, wächst dein Altersguthaben um diesen Betrag.

Was passiert eigentlich mit meinem Geld in der Pensionskasse?

Eine Pensionskasse muss sicherstellen, dass sie jederzeit diese Leistungsverpflichtungen erfüllen kann. Darum legen Pensionskassen dein Guthaben nach wie vor hauptsächlich in Obligationen und Immobilien an, deren Wert weniger stark schwankt als der Wert von Aktien.

Weil das Zinsniveau seit vielen Jahren sinkt, schichten Pensionskassen zunehmen in Anlagen um, die eine höhere zu erwartende Rendite erzielen und daher eine entsprechend grössere Schwankungsbreite aufweisen. Sie legen mehr in Aktien an. Aktien bilden mittlerweile die grösste Anlageklasse. 2020 waren rund 31 % der Guthaben bei den Pensionskassen in Aktien (Schweiz, Ausland) investiert. An zweiter Stelle stehen Obligationen (Schweiz, Ausland) mit rund 29 %, dritter Stelle stehen Immobilien mit rund 20 %. Als sichere Anlage steigt im Niedrigzinsumfeld ihre Attraktivität. Daneben fällt auf, dass Pensionskassen mehr in alternative Anlagen investieren (rund 8 % der Anlagen) und weniger flüssige Mittel (Cash, Liquidität) und kurzfristige Anlagen halten.

Grundsätzlich wirtschaften die Pensionskassen noch relativ gut, sie geraten aber aufgrund steigender Lebenserwartung und niedriger Zinsen unter Druck und müssen daher handeln. Du kannst davon ausgehen, dass der BVG-Umwandlungssatz von 6.8 % für Renten in den kommenden Jahren gesenkt werden wird.

Lohnt sich eine höhere Sparvariante für die Pensionskasse?

Bei zahlreichen Pensionskassen gewähren Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden Leistungen, die über das vorgeschriebene Minimum (sog. Obligatorium) hinausgehen. Sie nehmen etwa keinen Koordinationsabzug vom versicherten Lohn vor. Das bedeutet, dass sie – und Du- auf dein Einkommen vom ersten Franken an Sparbeiträge an die Pensionskasse entrichten. Eine weitere überobligatorische Leistung besteht darin, Einkommen über die Obergrenze des BVG hinaus versichern. Beides führt zu in der Summe höheren Sparbeiträgen, deshalb zu einem höheren Altersguthaben und somit zu einer höheren Rente.

Viele Arbeitgeber bieten ihren Versicherten zudem an, dass sie freiwillig höhere Sparbeiträge als das gesetzliche Minimum leisten können. Das nennt sich dann „höhere Sparvariante“ oder „Wahlplan“. Das kannst du dir wie einen regelmässigen Pensionskasseneinkauf „auf Raten“ vorstellen. Wenn du eine höhere Sparvariante wählst, dann zahlst du jeden Monat freiwillig etwas mehr Sparbeitrag als vorgeschrieben. Diese Sparbeiträge werden deinem Altersguthaben gutgeschrieben, und reduzieren dein zu versteuerndes Einkommen. Sie werden mit dem übrigen Altersguthaben verzinst.

Deshalb musst du dir also überlegen, ob du dein Geld anderswo gewinnbringender anlegen kannst oder es ohnehin „nur“ auf dem Privatkonto oder Sparkonto ansammeln würdest. Sparst zu beispielsweise auf eine Immobilie? Dann kannst du einige Jahre steuerbegünstigt freiwillig eine höhere Sparvariante nutzen und später für den Immobilienkauf einen Vorbezug machen. Anders als ein Pensionskasseneinkauf fallen Sparbeiträge aus einer höheren Sparvariante nicht unter die 3-jährige Sperrfrist für einen Kapitalbezug.

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Was ist ein Pensionskasseneinkauf?

Ähnlich zu regelmässigen, freiwilligen höheren Sparbeiträgen kannst du einen einmaligen Pensionskasseneinkauf prüfen. Einen solchen Einkauf in die Pensionskasse kannst du mit einer Einzahlung in die Säule 3a vergleichen, nur dass du das Geld nicht einer Vorsorgestiftung für die Säule 3a überweist, sondern deiner Pensionskasse.

Ob du Einkaufspotential hast? Das sagt dir dein Vorsorgeausweis. Dieser enthält eine Zeile „Einkaufspotential“. Sonst kann dir deine Pensionskasse sagen, ob und wie hoch dein Einkaufspotential ist. Das Einkaufspotential entspricht deiner Beitragslücke in der beruflichen Vorsorge. Dabei wird geprüft, „wie hoch müsste dein Altersguthaben aktuell sein, wenn du von Anfang an immer so viel verdient hättest wie jetzt?“ Darum kann sich das Einkaufspotential im Zeitablauf verändern, beispielsweise wenn du deinen Beschäftigungsgrad erhöhst, eine höhere Sparvariante wählst, oder zu einem Arbeitgeber mit einer Pensionskasse wechselst, die auch überobligatorische Leistungen auf deinen Lohn versichert.

Lohnt sich ein Pensionskasseneinkauf?

Mit einem Einkauf in die Pensionskasse kannst du unterschiedliche Ziele verfolgen, etwa

  • Pensionskasseneinkauf für eine höhere Altersrente
  • Pensionskasseneinkauf für späteren Kapitalbezug
  • Pensionskasseneinkauf zur Finanzierung des Vorruhestands (geplante Erwerbsaufgabe vor der Pensionierung)
  • Pensionskasseneinkauf zur Steuerersparnis (Steuerprogression in „guten“ Einkommensjahren zu brechen)

Egal, welches Ziel für dich im Vordergrund steht: Einen Einkaufsbetrag darfst du immer zu 100 Prozent von der Einkommensteuer abziehen. Das macht besonders in Jahren mit höherem Einkommen Sinn, z.B., wenn du durch einen Bonus in eine höhere Steuerklasse fallen würdest.

Ähnlich wie bei der Wahl einer höheren Sparvariante musst du prüfen, ob sich die Verzinsung des Kapitals in der Pensionskasse lohnt oder ob du deinen Bonus besser anderswo anlegst und so mit einer höheren Alternativ-Rendite den Steuervorteil wettmachst. Ausserdem solltest du dir einen Überblick über die Finanzsituation deiner Pensionskasse machen; ist sie in einer Unterdeckung, erzielt tiefe Anlagerenditen oder hat ein ungünstiges Verhältnis von Rentnern und Aktiven? Das sind Anzeichen, die gegen einen Einkauf sprechen.

Tendenziell ist die Rendite eines Einkaufs umso höher, je kürzer er vor der Pensionierung erfolgt. Darum heisst die Faustregel: Einen Einkauf in die Pensionskasse solltest du erstmals etwa 10 Jahre vor Pensionierung prüfen. Dann ist in der Regel das Einkommen höher als in jungen Jahren und der zeitliche Horizont bis zur Pensionierung kürzer: die eingesparten Steuern sorgen für eine hohe Rendite im verbleibenden Anlagezeitraum bis zur Pension. Achte jedoch unbedingt darauf, dass der Einkauf spätestens 3 Jahre vor deiner Pensionierung erfolgt. Sonst erkennen die Steuerbehörden den Abzug nicht mehr an und fordern die beim Einkauf in die Pensionskasse gesparten Steuern zurück, falls du das Altersguthaben oder Teile davon als Kapital beziehst.

Wie gross ist der Steuervorteil eines Pensionskasseneinkaufs?

Schauen wir uns das am Beispiel von Kurt (59) aus Bern an. Kurt ist alleinstehend, reformiert und hat keine Kinder. Er muss 90’000 Franken versteuern und hat ein Vermögen von 300’000 Franken angespart. Er überlegt sich, mit einem Betrag von 25’000 Franken in seine Pensionskasse einzukaufen. Welchen Steuervorteil bringt dies für ihn?

Nun, zunächst sinkt im Jahr der Einzahlung das von Kurt zu versteuernde Einkommen von 90’000 Franken auf 65’000 Franken. Seine Steuerlast sinkt um 5’400 Franken (statt 15’000 Franken noch 9’600 Franken). Wenn er dann mit 65 ordentlich in Rente geht und sein Kapital wie geplant bezieht, erhöht sich aber die Kapitalsteuer um 2’600 Franken. Im Endeffekt bleibt ihm also rein steuerlich ein Gewinn von 2’800 Franken. Ein lohnenswertes Geschäft.

Wie die Situation in deinem Fall aussieht, kannst du mit wenigen Klicks selbst ermitteln. Nutze dazu einfach den Steuerrechner der Eidgenössischen Finanzverwaltung.

Lohnt sich ein Pensionskassenvorbezug?

In definierten Fällen kannst du dein Pensionskassenguthaben auch zweckgebunden auszahlen lassen. Diese Fälle sind im Gesetz über die berufliche Vorsorge beschrieben. Kurz gesagt: Du finanzierst eine selbst genutzte Immobilie, renovierst sie, gründest ein Unternehmen oder ziehst dauerhaft ins Ausland. Je nach Deckungsgrad, Kapitalverzinsung und Umwandlungssatz kann ein Vorbezug attraktiv sein. Bei einer Auszahlung werden kantonal unterschiedlich hohe Kapitalsteuern fällig, die sich in der Regel auf 5 % -10 % belaufen – im Vergleich zur „eingesparten“ Einkommensteuer ein gutes Geschäft. Auch dazu kannst du den Steuerrechner der Eidgenössischen Finanzverwaltung nutzen.

Unsere Säule 3a Tipps: Alles zur Kapitalsteuer

Kapitalauszahlungssteuer

Wenn du gespartes Geld aus deiner Altersvorsorge beziehst, dann fällt eine Steuer an: die Kapitalauszahlungssteuer (auch: Kapitalsteuer oder Kapitalbezugssteuer). Entdecke im Artikel, wie du diese Steuer geschickt optimieren kannst.

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Zusammenfassung Pensionskasseneinkauf und Sparvariante

Die Frage bleibt jeweils, ob du die Möglichkeit hast dein Geld ausserhalb der Pensionskasse gewinnbringender anzulegen? Dabei musst du die Steuervorteile berücksichtigen, die höhere Beiträge oder ein Pensionskasseneinkauf mit sich bringen. Im Cockpit von Smolio kannst du die Parameter in der 2. Säule anpassen und siehst so die Auswirkungen auf dein Vermögen und deine Rente.

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Last update: 10.12.2023 14:05

Autor

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Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
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