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Steuerabzüge Corona: Homeoffice, Fahrtkosten und Verpflegungskosten. Das liegt drin.

Steuerabzuege Corona Homeoffice Berufskosten
Lesedauer 7 Minuten

Am 16. März 2020 begann in der Schweiz der erste Lockdown und vieles hat sich seither verändert. Welche Steuerabzüge wegen Corona kannst du geltend machen? Wie wirken sich Homeoffice, veränderter Arbeitsweg und Verpflegungskosten auf deine Berufskosten in der Steuererklärung aus? Und welcher Abzug macht für dich Sinn? Wir zeigen was in den verschiedenen Kantonen gilt. Entdecke wie du das Meiste für dich rausholen kannst.

Auch für die Steuerbehörden ist 2020 ein Ausnahmejahr. Wenn es eine Ausnahme ist, warum soll man dann alles anders machen? Die Steuerverwaltungen in den meisten Kantonen gehen daher überwiegend pragmatisch vor und akzeptieren die üblichen Abzüge für pauschale Berufskosten, Fahrtkosten und Mehrkosten für auswärtige Verpflegung. Die Regelungen hängen jedoch wie immer von einzelnen Kanton ab. Weiter unten findest du die Corona-Steuerabzüge der einzelnen Kantone zum Ausklappen.

Steuerabzüge Corona: Homeoffice

Der Pauschalabzug für berufsbedingte Kosten beträgt 3% des Nettolohns (mindestens 2’000 Franken, maximal 4’000 Franken pro Jahr). Er soll es für dich und die Steuerverwaltung einfach machen und deckt pauschal alle Auslagen für spezielle Berufskleidung, Werkzeuge incl. IT-Hard- und Software, Fachliteratur und das private Arbeitszimmer ab. Du meinst das reicht nicht und du hast höhere Kosten?

Grundsätzlich müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit du ein Homeoffice in der Steuererklärung abziehen kannst. Erstens, muss deine Tätigkeit regelmässig und zu einem wesentlichen Teil von zu Hause erfolgen. Je nach Kanton ist 1/3 der Zeit oder 40% das Minimum. Zweitens, steht dir im Betrieb kein Arbeitsplatz zur Verfügung bzw. die Arbeit dort war nicht möglich oder zumutbar. Darauf kannst du dich spätestens seit der Homeoffice-Pflicht im zweiten Lockdown berufen. Drittens musst du zu Hause einen Raum hauptsächlich als Arbeitsraum nutzen, d.h. du musst für die Berufsarbeiten einen Raum haben, der über deinen familiären Wohnbedarf hinausgeht. Die Bedingung gilt häufig nun als erfüllt, wenn zwar kein separater Raum für die berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht, aber ein Raum dafür dauerhaft umfunktioniert wurde. Doch Bern ist hier strikt: ein Arbeitsplatz in einem sonst privat genutzten Zimmer (Schlafzimmer, Wohnzimmer, Vorraum) genügt nicht.

Wie viel Steuerabzug kann ich für ein Corona Homeoffice machen? Der Abzug wird in der Regel so berechnet: Miete oder Eigenmietwert pro Jahr geteilt durch (Anzahl Zimmer + 2). Beispiel: du zahlst 2’200 Franken Miete pro Monat für deine 4,5 Zimmer-Wohnung. Der Abzug für’s Arbeitszimmer beträgt dann: 2’200 *12 / (4,5+2) = 4’062 Franken für’s ganze Jahr oder 338.50 Franken / Monat. Je nach Kanton kannst du für die Nebenkosten eine Pauschale von 300 Franken (z.B. Bern) pro Jahr ansetzen oder die Mietkosten / Eigenmietwert erhöhen. Also Mietkosten incl. NK ansetzen, Eigenmietwert um 10% erhöhen.

Falls du nicht mehr genau weisst, wie viele Tage du 2020 im Homeoffice gewesen bist, machst du eine Aufteilung nach bestem Wissen und Gewissen. Dies entspricht dem üblichen Vorgehen in der Steuererklärung, die ja eine Selbstdeklaration ist.

Unser Tipp: Gut rechnen ist angesagt

Falls du die effektiven Kosten fürs Arbeitszimmer abziehst, verlierst du den Pauschal-Abzug für die Berufskosten. Denn es geht nur entweder der Abzug der effektiven Kosten oder der Pauschalabzug. Für Homeoffice-Tage kannst du auch keine Fahrtkosten abziehen. Rechne daher gut nach, was dir den höheren Abzug bringt. Vermutlich fährst du in den meisten Fällen besser mit dem Pauschalabzug.

Steuerabzüge Corona: Fahrtkosten

Viele Pendler waren effektiv viel weniger unterwegs. Die meisten Steuerverwaltungen akzeptieren trotzdem die üblichen Fahrtkosten-Abzüge für den öffentlichen Verkehr. Denn der Aufwand für die Überprüfung und Abrechnung der effektiven Tage im Homeoffice wäre zu gross.

Für die Zeit von 1. März bis 31.Dezember akzeptieren einige Steuerverwaltungen zusätzlich zu Kosten für ÖV-Jahresabos auch Kosten für die Benutzung deines Autos ohne Zumutbarkeitsnachweis. Selbst dann wenn du nicht wie bisher jeden Tag zur Arbeit gefahren bist, akzeptiert die Steuerverwaltung die Kosten für die üblichen Fahrtkosten-Abzüge. Für Pendler mit sonst hohen Abzügen für Auto-Fahrtkosten ist das de facto ein Steuergeschenk: Aufwände ziehst du für etwas ab, wofür effektiv keine Ausgaben angefallen sind.

Wie viel darf ich abziehen, wenn ich mit dem Auto statt wie sonst dem ÖV zur Arbeit gefahren bin? Der Fahrkosten-Steuerabzug Corona unterscheidet sich von Kanton zu Kanton. Bern akzeptiert das. In Zürich hingegen gilt: Wenn dein Arbeitgeber dies empfohlen hat oder du aus Angst vor Benützung des ÖV mit dem Auto zur Arbeit gefahren bist, kannst du leider nur die Kosten fürs ÖV-Abo abziehen. Denn die Voraussetzungen für den Abzug der Autokosten gelten unverändert: auf Verlangen des Arbeitgebers, Zeitersparnis von über 1 h pro Tag oder es fehlendes ÖV-Angebot. Wenn du zu einer Risikogruppe gehörst und darum das Auto genutzt hast, darfst du die Autofahrkosten geltend machen. Und wenn der ÖV für deinen Arbeitsweg ausgefallen ist oder eingestellt wurde, darfst du für diese Zeit die Autokosten abziehen.

Mehr dazu findest du in den Ausführungen unten zu den jeweiligen Kantonen.

Welche Steuerabzüge gibt es bei Arbeitslosigkeit?

Die Arbeitslosenentschädigung musst du versteuern. Deshalb kannst du die während deiner Arbeitslosigkeit effektiv anfallenden Kosten im Zusammenhang mit der Stellensuche abziehen. Ausserdem kannst du auch die Kosten für Weiterbildung bei den Steuern abziehen, falls du dich während deiner Arbeitslosigkeit weiterbildest.

Die Pauschale für übrige Berufskosten hingegen bezieht sich auf deinen Nettolohn gemäss Lohnausweis. Weil das Arbeitslosentaggeld ein Ersatzeinkommen ist, kannst du dafür keine Berufskostenpauschale beanspruchen.

Kann ich Steuerabzüge für Hygienemasken und Corona-Tests machen?

Ja, Hygienemasken kannst du als Krankheitskosten abziehen. Das wirkt sich allerdings nur dann steuermindernd aus, wenn die Krankheitskosten einen Selbstbehalt von 5% des Reineinkommens übersteigen. Masken musst du erstens selbst bezahlt haben. Zweitens kannst du Kosten nur für den Zeitraum der vom Bundesrat oder einem Arzt verordneten Maskentragepflicht geltend machen.

Nein, Kosten für Corona-Tests kannst du in der Regel nicht abziehen. Denn für krankheitsbedingte Coronatests trägt der Bund die Kosten. Kosten für Corona-Tests aus beruflichen Gründen muss grundsätzlich dein Arbeitgeber tragen. Falls du privat Corona-Tests gemacht hast (z.B. um Verwandte zu besuchen, ins Ausland zu reisen oder zu erfahren ob du Corona schon gehabt hast), sind das Kosten der Lebenshaltung handelt die du nicht abziehen kannst.

Diese Corona-Steuerabzüge für Berufskosten gelten in den Kantonen

Zusammenfassung

Die Steuerverwaltungen sind in punkto Steuerabzüge in Zeiten von Corona recht pragmatisch und grosszügig, aber unterschiedlich unterwegs. In den meisten Kantonen kannst du die Abzüge für Berufskosten wie in einem normalen Jahr beanspruchen. Die Steuerverwaltungen behandeln die Arbeitstage zu Hause so, als wärst du im Büro gewesen. Dann darfst du aber effektive Kosten für Homeoffice, IT-Equipment etc. nicht zusätzlich abziehen. Es gilt ein Entweder-Oder. Was für dich vorteilhafter ist, musst du im Einzelfall ausrechnen. Denn das hängt vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab, wie Dauer und Anteil Homeoffice, den Kosten für’s Arbeitszimmer, der Höhe deines Einkommens und weiteren effektiven Kosten).

Meistens ist es vermutlich nicht nur einfacher, sondern finanziell auch vorteilhafter, die üblichen Berufskosten geltend zu machen. Mit dem Abzug von 3% des Nettolohns (mindestens 2’000 Franken, maximal 4’000 Franken pro Jahr) statt den effektiven Kosten für Berufsauslagen kommst du trotz Mehrkosten für’s Homeoffice gut weg, weil viele Ausgaben Corona-bedingt tatsächlich gar nie angefallen sind, du aber mit der Pauschale die Kosten trotzdem abziehen darfst.

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Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
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