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Vorbezug für Wohneigentum (WEF) / Wohneigentumsförderung

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Ein Vorbezug für Wohneigentum (WEF) ist “Kohle hole” aus der Pensionskasse oder Säule 3a vor dem Rentenalter in definierten Fällen.

Vorbezug für Wohneigentum (WEF) heisst, dass du dein Vorsorgevermögen vor der Pensionierung nutzt, um selbstgenutztes Wohneigentum zu finanzieren. Dazu kannst du Mittel ganz oder teilweise auszahlen lassen oder verpfänden. “Alles geht”: du darfst Mittel aus allen Quellen nutzen. Egal ob sie aus der obligatorischen, der überobligatorischen beruflichen Vorsorge, aus Freizügigkeitspolicen oder Freizügigkeitskonti oder der Säule 3a kommen. 

Der Zweck vom Vorbezug für Wohneigentum (WEF) ist gesetzlich auch ziemlich breit gefasst: du darfst dein Vorsorgevermögen nutzen, um Wohneigentum zu kaufen oder zu erstellen, auszubauen, umzubauen und bestehende Hypotheken zu tilgen. Oder du kannst Anteilscheine von Wohnbaugenossenschaften oder ähnlichen Beteiligungen kaufen. Nur selbstgenutzt am Wohnsitz muss das Wohneigentum sein, es darf nicht die schicke Ferienwohnung in den Bergen sein. 

Wie viel du vorbeziehen darfst hängt von deinem Alter ab (jünger / älter als 50). Und der ausgerichtete Vorbezug kürzt selbstverständlich die Höhe deiner künftigen Vorsorgeleistungen.  Wenn du Geld für Umbau- und Renovierungsarbeiten vorbeziehen willst und die Arbeiten selbst machst, ist das ein wenig mühsam. Denn erstens darfst du damit nur die Materialkosten bezahlen, nicht aber deine geleistete Arbeit, und zweitens zahlt deine Kasse oder Vorsorgestiftung Rechnungen nur direkt an die Materiallieferanten.

Unser Tipp: Darum ist es oft ratsam, keinen Vorbezug für Wohneigentum (WEF) zu machen, sondern dein Guthaben zu verpfänden. Denn dann sinkt der Vorsorgeschutz nicht. Nur wenn du deine Hypotheken nicht bedienen kannst und die Bank ihr Pfand verwerten will, ist auch dein Vorsorgeschutz in Höhe des verpfändeten Kapitals weg. Aber soweit soll es ja nicht kommen.

Wenn du noch mehr wissen möchtest, kannst du noch mehr zur Umsetzung bei einer der grössten Pensionskassen anschauen oder den Beitrag zur „Vorsorgesprache“ lesen.

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Unterdeckung

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Unterdeckung ist eine prekäre Situation, in der das Pensionskassen-Vermögen nicht für alle heutigen und künftigen Verpflichtungen reicht

Eine Vorsorgeeinrichtung muss stets in der Lage sein, ihre eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Eine einfache Kennzahl drückt dies aus: der Deckungsgrad. Er zeigt das Verhältnis zwischen dem Vermögen und den Verpflichtungen einer Vorsorgeeinrichtung.

Eine Unterdeckung besteht dann, wenn am Stichtag das verfügbare Vorsorgevermögen kleiner ist als das versicherungstechnisch notwendige Vorsorgekapital. Oder einfacher gesagt: der Deckungsgrad kleiner 100% ist. Oder noch einfacher: die Kasse hat aktuell nicht genug Vermögen, um neben den laufenden auch alle künftigen Versicherungszusagen vollständig zu bezahlen. Eine vorübergehende Unterdeckung ist zulässig, wenn deine Kasse ihre laufenden Verpflichtungen erfüllt. Um eine andauernde Unterdeckung zu beheben, muss die Kasse nach BVG Sanierungsmassnahmen einleiten. Das sind zeitlich befristete Massnahmen um die Unterdeckung in einer Frist von fünf bis sieben Jahren zu beheben. Solche Massnahmen werden in der Regel dann eingeleitet, wenn der Deckungsgrad unter 90 Prozent sinkt. Es ist zum Beispiel möglich die Anlagestrategie anzupassen, die Finanzierung anzupassen, künftige Leistungen zu reduzieren, den Umwandlungssatz zu senken, den Zins auf Altersguthaben zu senken oder den Arbeitgeber zu Sondereinlagen bewegen. Auch dürfen schliesslich Sanierungsbeiträge von den Versicherten  erhoben werden, wenn andere Massnahmen nicht zum Ziel führen. Erst wenn Sanierungsbeiträge von den Versicherten erhoben werden, führt die Unterdeckung der Kasse zu höheren Abzügen vom Lohn. 

Mehr dazu findest du beim Bundesamt für Sozialversicherungen.

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Deckungsgrad

Lesedauer < 1 MinuteEine Pensionskasse muss jederzeit ihre eingegangenen Verpflichtungen decken können. Ob ihr das gelingt, sagt eine einfache Kennzahl aus: der Deckungsgrad. Er zeigt das Verhältnis aus dem Wert des Vermögen und den Verpflichtungen einer Pensionskasse

Das Verhältnis wird gebildet zwischen 

  • dem Wert des Vorsorgevermögens aller Versicherten (also: wieviel angelegtes Vermögen hat die Kasse?) und
  • und dem erforderlichen Betrag, den die Kasse für ihre künftigen Zahlungen an aktiv Versicherte und Rentner leisten muss.  

 

Zum Beispiel weist ein Deckungsgrad von 105 % eine Wertschwankungsreserve in Höhe von 5% auf. Liegt er unter 100 %, besteht eine so genannten Unterdeckung. Dann hat die Pensionskasse nicht genügend Geld, um alle aktuellen und künftigen Verpflichtungen mit Vermögenswerten zu decken.

Die Höhe des Deckungsgrads hängt vom so genannten technischen Zinssatz ab, den die Vorsorgeeinrichtung anwendet. Der technische Zinssatz ist eine reine Rechengrösse. Damit werden die künftig fälligen Zahlungen auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Eine Senkung des technischen Zinssatzes führt daher zu einem tieferen Deckungsgrad.

Beim Vergleich zweier Pensionskassen mit vergleichbaren Deckungsgrad ist daher diejenige besser, die den tieferen technischen Zinssatz anwendet. Als Faustregel gilt: 0,5 Prozent Unterschied im technischen Zinssatz machen 5% Unterschied im Deckungsgrad aus. Die besten Pensionskassen haben bei 2% technischen Zins einen Deckungsgrad von 115 bis 120%.

Wenn du noch mehr wissen möchtest, kannst du noch mehr zu verschiedenen Ausprägungen lesen oder den Beitrag zur „Vorsorgesprache“ lesen.

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Obligatorium

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Das Obligatorium sind Mindestleistungen, die du aus der 2. Säule bekommst

Seit 1985 gilt das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG). Das BVG soll die AHV-Leistungen so ergänzen, dass du deine gewohnte Lebenshaltung in angemessener Weise fortsetzen kannst. Das BVG unterscheidet einerseits obligatorisch und freiwillig Versicherte, andererseits Arbeitnehmer und Selbstständige. Primär zielt das BVG auf Arbeitnehmer, es schliesst seit 1997 auch Arbeitslose ein. Es beschreibt in welchen Fällen sie sich zwangsweise versichern, also Pflichtbeiträge leisten müssen. Und was sie dafür bekommen – das Obligatorium.

Wann muss ich BVG-Beiträge leisten?

Das ist der Fall, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind. Erstens, du hast einen Arbeitsvertrag und bist bei der AHV/IV versichert. Zweitens, du bist zwischen 18 Jahre und hast das ordentliche Rentenalter noch nicht erreicht (64 / 65 Jahren Frau / Mann, Stand 2020). Drittens, dein jährlicher Lohn liegt über der sogenannten Eintrittsschwelle. Dann muss dein Arbeitgeber Beiträge von deinem Lohn an die Pensionskasse abführen. Die Höhe von Eintrittsschwelle und BVG-Versicherungsgrenze hängen von der AHV-Maximalrente ab. Die AHV-Maximalrente und die davon abgeleiteten Grenzbeträge werden alle 2 Jahre überprüft. Für deine BVG-Beiträge bekommst du das so genannte Obligatorium.

Obligatorium als Gegenleistung für die BVG-Beiträge

Das Obligatorium sind Mindestleistungen für Altersrente, bei Tod und bei Invalidität. Selbständige können sich freiwillig in der beruflichen Vorsorge versichern. Dazu schliessen sie sich einer entsprechenden Vorsorgeeinrichtung oder der Stiftung Auffangeinrichtung an und bezahlen dort Beiträge. Wenn du noch mehr wissen möchtest, kannst du dich beim Bundesamt für Sozialversicherungen informieren oder den Beitrag zur „Vorsorgesprache“ lesen.

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Freizügigkeitsleistung / Freizügigkeitskonto

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Geld, das dir zusteht, wenn du aus einer Vorsorgeeinrichtung austrittst bevor ein Leistungsfall eintritt

Die Freizügigkeitsleistung wird auch Austrittsleistung oder  Freizügigkeitsgeld genannt. Sie ist im Freizügigkeitsgesetz (“Bundesgesetz über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge”) festgelegt. An dieses Gesetz müssen sich alle Vorsorgeeinrichtungen halten. Die Freizügigkeitsleistung ist das Kapital, das du beim Austritt aus deiner Vorsorgeeinrichtung vor Eintritt eines Leistungsfalls (Pensionierung, Tod, Invalidität) bekommst.  

Wie hoch fällt die Freizügigkeitsleistung aus?

Die Höhe der Freizügigkeitsleistung hängt von einer Vergleichsrechnung ab. Deine Pensionskasse berechnet das automatisch. Du bekommst den grössten von drei Beiträgen: 

  • dem gesetzlichen Mindestbetrag, 
  • dem BVG-Altersguthaben oder 
  • die im Vorsorgereglement deiner Pensionskasse bestimmte Freizügigkeitsleistung.

Das Freizügigkeitsgesetz hat das Ziel, dass deine Vorsorge auch bei einem Arbeitgeberwechsel oder Rückzug aus dem Erwerbsleben vor dem Rentenalter erhalten bleibt. Deshalb muss dein Arbeitgeber bei einem Stellenwechsel die gesamte Freizügigkeitsleistung (obligatorischer und überobligatorischer Teil) grundsätzlich an die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers überweisen. Darum musst du deiner bisherigen Vorsorgeeinrichtung sagen, wohin sie die Austrittsleistung überweisen soll. Wenn du es nicht tust oder es dort vergessen geht, überweist sie deine Austrittsleistung nach spätestens 2 Jahren an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG

Was ist das Freizügigkeitskonto?

Falls du (noch) keine neue Vorsorgeeinrichtung hast, geht deine Austrittsleistung auf ein von dir benanntes, besonderes Konto: das Freizügigkeitskonto. Dies lautet auf deinen Namen und wird von einer Freizügigkeitsstiftung geführt, die das Geld für dich “parkt” bis du einen neuen Arbeitgeber hast oder das Rentenalter erreichst und dann dein Freizügigkeitsgeld beziehen kannst. Es ist sozusagen ein “gesperrtes Pensionskassenguthaben”. 

Was ist die Freizügigkeitspolice?

Statt auf ein Freizügigkeitskonto kannst du deine Freizügigkeitsleistung auch auf eine sogenannte Freizügigkeitspolice bei einer Versicherung einzahlen. Du erhälst dann auf deine Freizügigkeitsleistung einen von der Versicherung festgelegten Zinssatz. Zusätzlich versichert sie dann meist den Todesfall, das bedeutet dass du ein zusätzliches Kapital bekommst, wenn du stirbst. Mittlerweile bieten grosse Versicherungen (wie Axa, Mobiliar oder Zürich) aber keine Freizügigkeitspolicen mehr an. 

Unser Tipp: Im Regelfall ist ein Freizügigkeitskonto die bessere Lösung. Teile dort deine Freizügigkeitsleistung auf 2 gleich hohe Konten auf, damit du im Alter durch einen zeitlich gestaffelten Bezug Steuern sparen kannst.

Wann kann die Freizügigkeitsleistung ausgezahlt werden?

Das Freizügigkeitsgesetz bezweckt, dass dein Vorsorgeschutz erhalten bleiben soll. Deshalb kann die Freizügigkeitsleistung auch nur in 3 Fällen bar ausgezahlt werden: 

  • du verlässt die Schweiz endgültig und unterliegst nicht in der EU / EFTA einer obligatorischen Altersvorsorge
  • du machst dich selbständig und unterliegst dabei dabei nicht der obligatorischen beruflichen Vorsorge.
  • die Höhe deiner Freizügigkeitsleistung ist sehr klein – sie beträgt weniger als einen Jahresbeitrag.

Freizügigkeitsgeld kannst du -wie Gelder aus der Pensionskasse oder der Säule 3a- auch für Wohneigentumsförderung einsetzen. 

Wie hoch ist der Zins auf dem Freizügigkeitskonto?

Im BVG gibt es zwar Vorschriften über den Mindestzins auf Altersguthaben bei den Pensionskassen. Es gibt aber keine Vorschriften über den Zins auf dem Freizügigkeitskonto bei den Freizügigkeitsstiftungen. Darum sind die Stiftungen der Banken und Versicherungen mit Zinsen hier sehr zurückhaltend. Die höchsten Zinssätze liegen bei rund 0.25% (Stand Mai 2020), was deutlich weniger ist als der BVG-Mindestzins. Das ist nicht nur aktuell so, sondern war in den letzten Jahren immer der Fall. Deshalb ist es vorteilhaft, dass du dein Freizügigkeitsgeld möglichst rasch wieder in die Vorsorgeeinrichtung deines neuen Arbeitsgebers einbringst. Denn dort bekommst du mindestens den Mindestzins.

Fallen Freizügigkeitsgelder unter die Einlagensicherung der Banken?

Nein. Die Einlagensicherung sichert Einlagen bei Banken in Höhe von 100 000 Franken pro Kunde und Bank ab. Freizügigkeitsgelder werden nicht bei einer Bank, sondern bei einer Freizügigkeitsstiftungen verwahrt. Diese werden zwar in den meisten Fällen von einer Bank errichtet und unterliegen der Kontrolle der Finanzmarktaufsicht, die Stiftungen sind aber keine Banken. Deshalb fallen Freizügigkeitsgelder nicht unter die Einlagensicherung der Banken. Gemäss Artikel 37b Absatz 4 des Bankengesetzes sind diese Guthaben in einem Konkurs unabhängig von den übrigen Einlagen des einzelnen Vorsorgenehmers und des einzelnen Versicherten bis zum Höchstbetrag von 100 000 Franken in der zweiten Klasse privilegiert. Dies ist vorteilhaft, weil im Konkursfall mit den vorhandenen Mittel die Forderungen entsprechend den Konkursklassen bedient werden, also zuerst die erste, dann die zweite und dann die dritte Klasse. Der weitaus grösste Teil der Forderungen fällt im Normallfalle in der dritten Konkursklasse an, das heisst deine Chancen zumindest auf die ersten 100’000 Franken Freizügigkeitsleistung etwas zu bekommen sind nicht schlecht.

Unser Tipp: Wenn du das Geld längerfristig bei der Freizügigkeitsstiftung belassen musst, kannst du das Risiko eines Stiftungskonkurses auf zwei Wege reduzieren. Dazu wählst du erstens anstelle des Kontosparens das Wertschriftensparen; denn dann handelt es sich um treuhänderisches Vermögen, welches grundsätzlich nicht vom Konkurs einer Freizügigkeitsstiftung betroffen ist. Oder du eröffnest zweitens gestützt auf Artikel 12 FZV jeweils ein Konto bei zwei Freizügigkeitsstiftungen. Oder du kombinierst beides. 

Unser Bonus-Tipp: Falls du bei der gleichen Bank zusätzlich ein 3a-Konto hast, gilt der privilegierte Betrag von 100’000 Franken für das Freizügigkeits- und das 3a-Konto zusammen! Darum: Säule 3a und Freizügigkeit nicht bei der gleichen Stiftung führen.

Wenn du noch mehr wissen möchtest, kannst du dich beim Bundesamt für Sozialversicherungen informieren oder den Beitrag zur „Vorsorgesprache“ lesen.

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Pensionskasseneinkauf: Mehr oder weniger einzahlen. Welche Überlegungen sich lohnen

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Wir hatten es schon geschrieben, für die Pensionskasse gilt „je mehr du einzahlst, desto mehr bekommst du heraus“. Die Pensionskasse wählt zwar dein Arbeitgeber, jedoch hast du bei vielen Pensionskassen die Wahl. Du kannst freiwillig höhere Beiträge zahlen, einen Pensionskasseneinkauf oder Vorbezug machen. Entdecke, welche Überlegungen sich dabei lohnen.

Pensionierung und Rente planen

Fokus 2. Säule. Für die Pensionskasse gilt mehr ist mehr

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Die NZZ titelt “Viele Schweizer haben keine Ahnung von der Altersvorsorge” und SRF 10vor10 berichtet von einem Pensionskassenmodell, dass zeitlich befristete Renten vorsieht – im Überobligatorium. Wir finden es ist Zeit, die Pensionskasse etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn darauf kommt es an.