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Vorsorge-Kennzahlen 2022: Was ändert bei AHV-Rentenhöhe, BVG, Säule 3a?

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Die Rentenhöhe hängt davon ab, wie viel du aus der AHV und der zweiten Säule sowie aus privaten Ersparnissen bekommst. Die Vorsorge-Kennzahlen 2022 zu AHV und beruflicher Vorsorge bestimmen, wie viel du aus 1. und 2. Säule erhältst. Willst du wissen, wie sich die Änderungen zum 1. Januar bei den Vorsorge-Kennzahlen 2022 auf die Rentenhöhe auswirken?

In der 1. Säule bleibt die AHV-Rentenhöhe unverändert

Alle zwei Jahre prüft der Bundesrat eine Anpassung von AHV und IV-Rentenhöhe aufgrund der Inflationsentwicklung. Zuletzt wurde die Rentenhöhe auf Januar 2021 angepasst, zum 1. Januar 2022 gibt es keine Anpassungen. Eine allfällige Rentenerhöhung wird erst wieder aufs Jahr 2023 geprüft.

Die minimale Altersrente ab 1. Januar 2021 bleibt daher unverändert bei 1’195 Franken pro Monat. Auch die AHV-Maximalrente 2022 bei voller Beitragsdauer ändert sich nicht. Sie beträgt 2’390 Franken pro Monat. Die maximale AHV-Ehegattenrente ab 1. Januar 2022 beträgt aufgrund der Plafonierung zusammen 3’585 Franken (=2’390 Franken * 1.5).

Wie sich die Beiträge entwickeln werden, kannst du demnächst im Merkblatt mit den Änderungen zum 1. Januar 2022 nachschlagen.

In der 2. Säule bleibt der Mindestzins unverändert bei 1%

Die maximale AHV-Rentenhöhe ist die zentrale Grösse der Vorsorge-Kennzahlen 2022. An sie sind weitere Grössen in der beruflichen Vorsorge gekoppelt. Weil’s bei der AHV-Rente nicht Neues gibt, bleiben auch die BVG-Renten oder BVG-Kennzahlen unverändert. Neu ist jedoch die Anpassung von Hinterlassenen- und IV-Renten an die Preisentwicklung zum 1. Januar 2022. Seit 2018 laufenden Renten werden um 0.3% erhöht, seit 2012 laufenden Renten um 0.1%.

Der Mindestzinssatz für BVG-Guthaben bleibt ebenfalls bei 1%. Der Satz von 1 Prozent gilt seit 2017. Vielleicht weisst du schon, dass der Mindestzinssatz nur für Guthaben im Obligatorium gilt. Im Überobligatorium darf deine Vorsorgeeinrichtung selbst festlegen, wie hoch sie das Vorsorgeguthaben verzinst.

1% Zins bedeutet für dich, dass dein Altersvermögen nur sehr langsam wächst. Deine Rente wird daraus also nicht sehr hoch ausfallen. Eine private Vorsorge ist umso wichtiger für dich, je mehr du aus dem BVG eine Rente aus dem Obligatorium bekommst. Den dramatischen Effekt von tiefer Verzinsung auf deine Rentenhöhe kannst du dir in einem anderen Artikel anschauen.

Neben der AHV ist auch die zweite Säule reformbedürftig. Das Vorhaben dazu heisst Reform BVG 21, Geschäft 20.089). Weil der Bundesrat beschlossen hat zuerst die AHV-Revision in trockene Tücher zu bringen, wird die BVG-Revision wohl erst 2023 angepackt.

Ab welchem Lohn muss ich 2022 Beiträge für die berufliche Vorsorge zahlen? 

Das regelt die BVG-Eintrittsschwelle, auch Mindestjahreslohn genannt. Diese bleibt zum 1. Januar 2022 unverändert bei 21’510 Franken Einkommen pro Jahr. Falls du also weniger als die Eintrittsschwelle verdienst, bekommst du später keine Rente aus der zweiten Säule, weil du dort kein Altersguthaben aufgebaut hast. Dies kann bei Teilzeit-Arbeite passieren oder wenn du zwei Jobs mit tiefem Arbeitspensum hast und jeweils weniger als die Eintrittsschwelle verdienst. 

Wie viel Einkommen ist in der beruflichen Vorsorge versichert?

In der beruflichen Vorsorge wird der “versicherte Lohn” versichert, den man auch koordinierten Lohn nennt. Auf diesen zahlst du Beiträge, aus denen deine Rente gebildet wird. Wie hoch der versicherte Lohn ausfällt, legen der obere Grenzbetrag und der Koordinationsabzug fest. Die Details dazu findest du in diesem Artikel.

Der obere Grenzbetrag liegt ab 1. Januar 2022 bei 86’040 Franken. Der Koordinationsabzug beträgt unverändert 25’095 Franken. Um die Höhe des versicherten Lohns zu bestimmen, zieht die Vorsorgeeinrichtung von deinem jährlichen Bruttolohn den Koordinationsabzug ab. Falls dein jährlicher Lohn zwischen 21’510 und 28’680 Franken liegt (Stand 2022), versichert dich die Pensionskasse mit dem BVG-Mindestlohn von 3’585 Franken. Vereinfacht kannst du dir also merken: Jahreslohn minus Koordinationsabzug ergibt versicherten Lohn.

Was ist von meinem Einkommen in der AHV und was im BVG versichert?

Auf dein gesamtes Einkommen musst du AHV-Beiträge zahlen, dein gesamter Lohn ist also rentenbildend. In der beruflichen Vorsorge ist nur ein kleinerer Teil deines Einkommens rentenbildend. Und zwar im BVG-Obligatorium dein Lohn bis zum oberen Grenzbetrag minus Koordinationsabzug. Du kannst dir das so vorstellen: für die ersten rund 25’000 Franken deines Lohns (=Koordinationsabzug) bist du nur in der AHV versichert. Auf dem darüber hinausgehenden Lohn sparst du sowohl bei AHV als auch Pensionskasse für deine spätere Rente. Auf dem Einkommensanteil, der über dem oberen Grenzbetrag hinausgeht (Überobligatorium), sparst du in der beruflichen Vorsorge gemäss Reglement deiner Pensionskasse.

In der Säule 3a bleibt der Maximalbetrag für 2022 unverändert bei 6’883 Franken

Aus der einfachen AHV-Rente leiten sich noch weitere Vorsorge-Kennzahlen 2022 wie der kleine und der grosse Maximalbetrag Säule 3a ab. Weil sich die einfache AHV-Maximalrente zum 1. Januar 2022 nicht verändert, bleibt auch der Säule 3a Maximalbetrag unverändert:

  • kleiner Maximalbetrag Säule 3a 2022 für Erwerbstätige mit Pensionskasse: 6’833 Franken
  • grosser Maximalbetrag Säule 3a 2022 für Selbständige oder Teilzeitbeschäftigte ohne Pensionskasse: 20 % des Nettoerwerbseinkommens, maximal 34’416 Franken

Den kleinen Maximalbetrag Säule 3a darfst du nutzen, wenn du über deinen Arbeitgeber bei einer Pensionskasse versichert bist. Den grossen Maximalbetrag Säule 3a darfst du nutzen, wenn du selbständig bist oder Teilzeit arbeitest und keiner Pensionskasse angehörst. So kannst du selbst deine Vorsorgelücke reduzieren, weil du aus der beruflichen Vorsorge keine Rente erhalten wirst.

Mache das Maximum aus diesen Möglichkeiten und vermeide häufige Fehler in der Säule 3a.

Zusammenfassung Vorsorge-Kennzahlen 2022

Auf 2022 ändert sich bei den Beitragssätzen und Grenzwerten nichts. Denn mit der maximalen AHV-Rentenhöhe bleibt die zentrale Vorsorge-Kennzahl 2022 unverändert. Auch in der 2. Säule passiert nichts für künftige Rentnerinnen und Rentner. Hier bleibt der Mindestzins unverändert tief bei 1%. Und auch in der Säule 3a bleibt der maximale Steuerabzug unverändert bei 6’833 Franken. Spannend wird es jedoch mit der verabschiedeten AHV-Reform 2021, die im Herbst 2020 zur Abstimmung an die Urne kommt. Sie bringt die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen. Angesichts dieser wenig attraktiven Aussichten solltest du dich unbedingt um deine private Vorsorge kümmern.

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Thomas verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise als Privatanleger in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Er gestaltet seit vielen Jahren einfache Kunden- und Serviceerlebnisse, bewegt Menschen und Organisationen und hat ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen von Menschen bei Finanzthemen gewonnen. Thomas bringt mit seinem Background als Doktor in Wirtschaftswissenschaften Themen einfach und pragmatisch auf den Punkt.
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