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Aktive ETF als Kostenfalle: Was sie kosten und warum Du sie nicht brauchst

Aktive etf kostenfalle schweiz
Lesedauer 7 Minuten

Aktive ETF versprechen das Beste aus zwei Welten: die Börsenliquidität eines ETFs und die Rendite eines Fondsmanagers. Doch die Realität sieht anders aus. UFnsere Analyse der SIX-Rohdaten zeigt: Aktive ETF kosten im Schnitt doppelt so viel wie klassische Index-ETF. Und die Mehrheit schafft es nicht, den Markt zu schlagen. Finde heraus, warum Du beim klassischen passiven ETF bleiben solltest.

Was sind aktive ETF und warum boomen sie?

An der Schweizer Börse SIX waren Ende 2025 über 2’099 ETF kotiert. Davon sind inzwischen 357 aktiv verwaltet. Das sind 17 % aller gelisteten ETF. Noch vor fünf Jahren lag dieser Anteil bei gerade mal 4 %. Allein 2025 kamen 116 solcher Produkte neu auf den Schweizer Markt. Das entspricht 38 % aller Neulancierungen 🚀

Bei einem klassischen ETF bildet der Fonds einen Index ab — etwa den MSCI World oder den SPI. Niemand trifft aktive Anlageentscheide, der Fonds folgt einfach dem Markt. Ein aktiver ETF funktioniert anders. Dort wählt ein Fondsmanager gezielt Aktien aus, gewichtet sie um oder weicht bewusst vom Index ab. Das Ziel: den Markt schlagen.

Klingt gut. Ist es aber selten.

Der Boom hat vor allem einen Treiber: die Anbieter. Für J.P. Morgan, BlackRock, Robeco und andere ist das ETF-Geschäft mit passiven Produkten margenschwach geworden. Ein klassischer ETF auf den MSCI World kostet den Anleger 0.10 % bis 0.20 % pro Jahr. Ein aktiver ETF bringt dem Anbieter das Doppelte bis Vierfache an Gebühren ein. Die Fondsbranche verpackt also ihre aktiven Strategien neu im populären ETF-Mantel, weil sich das Kürzel «ETF» einfach gut verkauft.

Wenn Du einen ETF kaufst, erwartest Du ein günstiges, passives Instrument, das den Markt abbildet. Ein aktiver ETF ist das Gegenteil davon. Das ist so, als würdest Du im Bio-Laden verpackte Fertigpizza kaufen.

Aktive ETF vs. aktive Fonds: wo liegt der Unterschied?

Aktive ETF und klassische aktive Anlagefonds verfolgen dieselbe Strategie: Ein Fondsmanager wählt Titel aus und versucht, den Markt zu schlagen. Der Unterschied liegt im Mantel, nicht im Inhalt.

Diese Produkte werden an der Börse gehandelt. Du kannst sie jederzeit während der Handelszeiten kaufen und verkaufen. Klassische aktive Fonds handelst Du nur einmal täglich über die Fondsgesellschaft. Aktive ETFs sind zudem transparenter, weil sie strengeren Offenlegungspflichten unterliegen. Und sie sind günstiger: Im Schnitt kosten sie rund 0.30 % pro Jahr, klassische aktive Fonds verlangen 1.0 % bis 1.5 %.

Doch «günstiger als ein aktiver Fonds» heisst noch lange nicht «günstig». Solche Produkte kosten eben das Doppelte eines passiven ETF. Und das Problem bleibt dasselbe: Die wenigsten schaffen es, nach Abzug der Kosten besser abzuschneiden als der Index. Ob der Fondsmanager in einem ETF-Mantel oder in einem klassischen Fonds sitzt, ändert daran nichts. Mehr zu den grundlegenden Unterschieden zwischen aktivem und passivem Anlegen findest Du in diesem Fachbeitrag.

Was hat John Bogle mit einem aktiven ETF zu tun?

Die Geschichte des ETF beginnt 1976. Damals gründete John Bogle den ersten öffentlichen Indexfonds bei seiner Firma Vanguard, heute einer der grössten Vermögensverwalter der Welt. Seine These war einfach und radikal: «Don’t search the needle in the haystack. Buy the haystack.» Statt die perfekte Aktie zu suchen, kaufst Du einfach den ganzen Markt 🌍

Diese Idee hat sich über fast fünf Jahrzehnte bewährt. Breit diversifizierte, günstige Indexfonds schlagen langfristig die Mehrheit der aktiv verwalteten Fonds. Bogle selbst war übrigens ein scharfer Kritiker von ETF-Innovationen. Er warnte davor, das einfache Konzept mit komplexen Produkten zu verwässern.

Genau das passiert jetzt. Die Anbieter drehen das Rad zurück in Richtung Stock Picking. Also die aktive Auswahl einzelner Titel durch einen Fondsmanager. Damit entfernen sich diese Produkte von der Grundidee, die den ETF so erfolgreich gemacht hat.

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Was kosten aktive ETFs an der Schweizer Börse?

Hier wird es konkret. Wir haben die Rohdaten der SIX Swiss Exchange ausgewertet. 291 ETF mit einzigartiger ISIN, die 2025 neu an der SIX lanciert wurden. Die Resultate sprechen eine deutliche Sprache 📊

Smolio-Auswertung: Durchschnittliche Gesamtkostenquote (TER) neuer ETF an der SIX 2025

Klassischer Index-ETF710.17 %0.01 %0.55 %
Anleihen-ETF200.13 %0.00 %0.45 %
ESG-ETF440.17 %0.03 %0.39 %
Smart Beta / Faktor-ETF270.28 %0.04 %0.85 %
Themen-ETF200.44 %0.10 %0.72 %
Aktive Anleihen-ETF340.24 %0.10 %0.48 %
Aktive Aktien-ETF570.32 %0.10 %0.75 %
Aktive ESG-ETF80.36 %0.18 %0.80 %
Aktive Strategie-ETFs (Buffer/Optionen)100.80 %0.50 %0.90 %

Quelle: eigene Berechnung Smolio, 2025. 291 unique ISINs von SIX Swiss Exchange.,

Die Zahlen zeigen drei Dinge:

Erstens: Die Kostenspanne ist enorm. Zwischen dem günstigsten ETF (0.01 % TER) und den teuersten Strategie-Produkten (0.90 % TER) liegt ein Faktor von 90.

Zweitens: Aktive Aktien-ETF kosten im Schnitt 0.32 % — fast doppelt so viel wie ein klassischer Index-ETF mit 0.17 %. Was heisst das konkret? Bei einer Anlage von 100’000 Franken und 5 % Bruttorendite pro Jahr hast Du nach 20 Jahren mit einem passiven ETF (0.17 % TER) rund 255’000 Franken. Mit einem aktiven ETF (0.32 % TER) sind es rund 248’000 Franken. Nach 30 Jahren wächst die Differenz auf über 15’000 Franken. Allein wegen der höheren TER 🧮

Drittens: Die teuerste Kategorie sind Strategie-ETFs mit Buffer- oder Optionen-Mechanismen. Sie kosten durchschnittlich 0.80 % pro Jahr. Diese Produkte tauchen in vielen Vergleichen gar nicht auf. Bei 0.80 % TER und derselben Beispielrechnung verlierst Du nach einen jahrzehntelangen Anlagehorizont tausende Franken gegenüber einem klassischen Index-ETF.

Mehr zu den Kosten von ETFs im Vergleich zu Indexfonds findest Du in diesem Fachbeitrag.

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Schlagen aktive ETF den Markt?

Kurze Antwort: Die meisten nicht.

Die Ratingagentur Morningstar untersucht regelmässig, wie viele aktiv verwaltete Fonds ihren Vergleichsindex schlagen. Das Ergebnis per Juni 2025 gemäss dem Morningstar Active/Passive Barometer: Bei europäischen Aktien gelingt das über zehn Jahre nur 14 % der Fondsmanager. Noch drastischer: Von den teuersten Fonds schafft es über zehn Jahre kein einziger, den Index zu übertreffen. Null Prozent. Die Kosten fressen jede Überrendite auf 💸

Die SPIVA Scorecards von S&P Dow Jones kommen seit Jahren zum selben Schluss. Über 90 % der aktiv verwalteten Aktienfonds weltweit schneiden langfristig schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Aktive ETFs sind da keine Ausnahme — der ETF-Mantel ändert nichts an der Erfolgsquote. Ich habe die SPIVA-Daten in einem eigenen Fachbeitrag ausführlich aufbereitet.

Auch bei Themen-ETFs sieht es düster aus. Eine Studie des Swiss Finance Institute zeigt, dass Themen-ETFs in den ersten fünf Jahren nach Lancierung rund 30 % risikobereinigte Rendite verlieren. Der Grund: Die enthaltenen Aktien sind zum Zeitpunkt der Lancierung bereits überbewertet. Die Fondsbranche lanciert Themenprodukte eben dann, wenn ein Trend schon im Markt eingepreist ist, und nicht am Anfang des Trends.

Morningstar bestätigt das: Knapp über die Hälfte der Themen-Fonds überlebt die ersten fünf Jahre nicht. Und nur 18 % übertreffen über 15 Jahre ihren Vergleichsindex. Mehr dazu findest Du in diesem Fachbeitrag.

Themen-ETF wie Robotik, Biotech oder Defence kommen immer dann auf den Markt, wenn der Trend schon läuft. Du steigst also spät ein und zahlst einen Aufpreis. Mit einem klassischen ETF auf den Weltmarkt bist Du automatisch bei allen Trends dabei, ohne dafür extra zu bezahlen.

Worauf Du statt auf aktive ETF setzen solltest

Statt in aktive ETF zu investieren, lohnt sich ein Blick auf die Kriterien, die bei einem klassischen passiven ETF wirklich zählen. Hier sind die fünf wichtigsten:

  • Ausreichende Fondsgrösse. Wähle ETFs mit mindestens 100 Millionen Franken Fondsvolumen. Grosse Fonds profitieren von Skaleneffekten, was die laufenden Kosten tief hält. Zudem schützt Dich ein hohes Volumen davor, dass der Anbieter das Produkt später einstellt, weil es sich für ihn nicht mehr rechnet. Bei aktiv verwalteten Produkten ist das ein reales Risiko: Rund 15 % davon wurden in Europa bereits wieder aufgelöst oder verschmolzen.
  • Physische Replikation wählen. Ein physisch replizierender ETF kauft die im Index enthaltenen Aktien tatsächlich. Das eliminiert das Gegenparteirisiko, das bei synthetischen ETF durch Swap-Geschäfte entsteht. Laut EU-Regulierung darf dieses Risiko zwar maximal 10 % des Fondsvermögens betragen. Trotzdem: Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt physisch.
  • Thesaurierend statt ausschüttend. Ein thesaurierender ETF legt Dividenden automatisch wieder an. Du profitierst so vom Zinseszinseffekt, ohne Dich um die Wiederanlage kümmern zu müssen. In der Schweiz gibt es steuerlich keinen Unterschied zwischen den beiden Varianten. Die Erträge musst Du ohnehin als Einkommen versteuern. Der Vorteil ist rein praktisch: weniger Aufwand, kein Geld, das auf dem Konto herumliegt.
  • Keine Währungsabsicherung bei Aktien-ETF. Währungsgesicherte ETFs kosten im Schnitt 0.3 % bis 0.4 % mehr pro Jahr. Langfristig gleichen sich Währungsschwankungen bei global diversifizierten Aktien-ETF weitgehend aus. In der Fachliteratur besteht breiter Konsens: Eine Währungsabsicherung bei Aktienportfolios bringt langfristig keinen systematischen Vorteil. Ganz anders sieht es bei Anleihen-ETF aus. Dort kann eine Absicherung sinnvoll sein.
  • Global diversifiziert nach Marktkapitalisierung. Ein ETF auf den MSCI World oder den FTSE All-World bildet tausende Unternehmen weltweit ab. Du bist bei jeder Branche und jedem Trend automatisch dabei, ohne eine Wette auf einzelne Sektoren einzugehen. So brauchst Du weder aktiv verwaltete Produkte noch Themen-ETF, um an Megatrends zu partizipieren.

👉 In meinem E-Book zur ETF-Auswahl findest Du weitere Kriterien wie Domizil und Steuereinfachheit im Detail erklärt.

Zusammenfassung: Aktive ETF als Kostenfalle

Aktive ETFs sind der neueste Trend an der Schweizer Börse. Doch hinter dem vertrauten Kürzel «ETF» steckt häufig etwas anderes als die Grundidee von John Bogle. Unsere Auswertung der SIX-Daten 2025 zeigt: Aktiv verwaltete Produkte kosten im Schnitt doppelt so viel wie klassische Index-ETF. Die teuersten Strategie-Produkte verlangen sogar 0.80 % pro Jahr. Morningstar, SPIVA und das Swiss Finance Institute belegen unabhängig voneinander: Die grosse Mehrheit schafft es langfristig nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen.

Der Börsenspruch «Hin und her macht Taschen leer» von André Kostolany gilt auch hier. Wer sein Portfolio aktiv bewirtschaftet, zahlt mehr Gebühren, verpasst die besten Börsentage und läuft dem Markt hinterher. Die bessere Strategie: einen günstigen, passiven, physisch replizierenden ETF kaufen — und dann in Ruhe lassen. Mal ehrlich: Wir sind doch alle froh, wenn Finanzsachen auf Autopilot laufen.

Time in the market schlägt timing the market. Das gilt seit über 50 Jahren. Und daran ändern auch 357 aktive ETF nichts.

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Disclaimer

Wir haben für die Erstellung der Inhalte dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Fehler können wir trotzdem nicht ausschliessen und können keine Gewähr für inhaltliche Korrektheit, Aktualität des Inhalts und Vollständigkeit bieten. Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Wir bieten keine Anlage- oder Steuerberatung an und empfehlen Steuerfragen in jedem Fall mit einem Steuerexperten und/oder der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung abzuklären. Jegliche Haftung wird abgelehnt.

FAQ aktive ETF

Sind aktive ETFs sinnvoll?

Für die meisten Anleger nicht. Studien von Morningstar und SPIVA zeigen, dass über 90 % der aktiv verwalteten Fonds langfristig schlechter abschneiden als ihr Vergleichsindex. Der ETF-Mantel ändert daran wenig.

Was kostet ein aktiver ETF im Vergleich?

Unsere Auswertung der SIX-Daten 2025 zeigt: Aktiv verwaltete Aktienprodukte kosten im Schnitt 0.32 % pro Jahr, klassische Index-ETFs nur 0.17 %. Die teuersten Strategie-Produkte verlangen sogar 0.80 %.

Sind aktive ETFs oder passive ETFs besser?

Passive ETF. Sie sind günstiger, transparenter und liefern langfristig zuverlässig die Marktrendite. Aktive ETF versprechen eine Mehrrendite, die in der Praxis langfristig selten eintritt. Der Kostennachteil ist dagegen sicher und frisst den möglichen Renditevorteil auf.

Warum gibt es immer mehr aktive ETF?

Weil Anbieter damit mehr verdienen. Aktiv verwaltete Produkte bringen dem Emittenten das Doppelte bis Vierfache an Gebühren ein im Vergleich zu einem passiven Indexprodukt. Das Kürzel «ETF» verkauft sich einfach gut, auch wenn der Inhalt eher einem klassischen Fonds entspricht.

Welche aktiven ETFs gibt es an der Schweizer Börse?

Ende 2025 waren 357 solcher Produkte an der SIX kotiert, von 35 Emittenten. Die grössten Anbieter sind J.P. Morgan, BlackRock (iShares), Robeco und Capital Group. Die Palette reicht von indexnahen «Enhanced»-Strategien über ESG-Ansätze bis zu optionsbasierten Buffer-Produkten. Unsere Empfehlung bleibt: Finger weg von aktive ETF, und stattdessen auf bewährte passive ETFs setzen.

Last update: 21.03.2026 15:54

Autor

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Thomas ist Experte für Finanz- und Vorsorgethemen mit über 30 Jahren Anlageerfahrung in fast allen Anlageklassen und zwei Vorsorgesystemen. Als Stiftungsrat und Vizepräsident der Anlagekommission einer der grössten Schweizer Pensionskassen (über 13 Milliarden Anlagevermögen) kennt er die Herausforderungen bei Finanzentscheidungen aus erster Hand. Er bringt komplexe Themen mit seinem Hintergrund als promovierter Wirtschaftswissenschaftler einfach, unabhängig und pragmatisch auf den Punkt.

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