Jetzt kaufen oder warten? Diese Frage lähmt viele Menschen beim Investieren. Dabei zeigen 100 Jahre Börsendaten: Der Einstiegszeitpunkt ist weniger wichtig als gedacht. Wer 14 Jahre investiert blieb, machte seit 1926 nie Verlust – selbst bei Einstieg kurz vor einem Crash. Entdecke, warum «Time, not Timing» die wichtigste Investmentregel ist – mit konkreten Zahlen und wissenschaftlichen Studien.
«Was meinst du – soll ich jetzt kaufen oder warten?» Meine Antwort ist immer dieselbe: Heute investieren. Die Zahlen sind eindeutig: Wer Schweizer Aktien mindestens 14 Jahre hält, hat seit 1926 in keinem einzigen Fall Verlust gemacht – egal, ob kurz vor einem Crash eingestiegen oder nicht. Eine umfassende Vanguard-Studie über 85 Jahre US-Börsendaten zeigt: Eine sofortige Einmalanlage (Lump Sum Investing) schlägt gestaffeltes Investieren über 12 Monate (Dollar Cost Averaging) in 68 % der Fälle – unabhängig davon, ob mit einem 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen oder mit 100 % Aktien investiert wurde¹. Warten kostet dich einfach nur Rendite.
Der beste Zeitpunkt war vor zehn Jahren. Der zweitbeste ist heute. Nicht wann du beginnst zu investieren, ist entscheidend – sondern dass du beginnst und investiert bleibst.
Die Fakten: Warum Warten teurer ist als ein «schlechter» Einstieg
Ich höre die Frage «jetzt kaufen oder warten» regelmässig von Menschen, die sich mit ihrer finanziellen Zukunft beschäftigen. Egal ob von Menschen, die noch einige Jahre bis zur Pensionierung haben, oder von jungen Leuten, die seit ein paar Jahren im Arbeitsleben stehen: Der Wunsch, privat vorzusorgen, ist da – schliesslich wissen die meisten, dass die Renten aus AHV und beruflicher Vorsorge allein für die Rente nicht ausreichend sind.
Aber dann folgt der lähmende Nachsatz: «Ich weiss nicht, wie das geht. Und vielleicht ist jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt?» Dabei zeigen die Daten klar: Warten auf den ‹perfekten Moment› kostet dich mehr, als ein vermeintlich schlechter Einstiegszeitpunkt je könnte.
Die Pictet-Studie: Schweizer Aktien nach 14 Jahren IMMER verlustfrei
Die Bank Pictet hat die Performance von Schweizer Aktien seit 1926 analysiert – fast 100 Jahre Daten. Das Ergebnis der Studie1: Bei einer Haltedauer von mindestens 14 Jahren gab es seit 1926 keinen einzigen Fall eines Verlusts. Egal ob du 1929 kurz vor dem Wall-Street-Crash eingestiegen bist, 2000 vor dem Platzen der Dotcom-Blase oder 2007 vor der Finanzkrise – nach 14 Jahren warst du immer im Plus.
Bei 10 Jahren Haltedauer lag die Erfolgsquote bei 97 von 99 Jahren, bei 5 Jahren immer noch bei 85 von 99 Jahren. Die durchschnittliche jährliche Rendite betrug 7,7%. Eine Investition von 1’000 Franken im Jahr 1926 wäre bis Ende 2024 auf 1,48 Millionen Franken angewachsen – durch Kurssteigerungen und reinvestierte Dividenden.
Die Vanguard-Studie: Sofort investieren schlägt Warten in 2 von 3 Fällen
Eine der umfassendsten Analysen zum Thema Markttiming stammt von Vanguard¹. Die Studie untersuchte die Frage «Jetzt kaufen oder warten?» über drei grosse Märkte über mehrere Jahrzehnte:
- USA: 1926–2011 (85 Jahre historische Daten)
- Grossbritannien: 1976–2011 (35 Jahre)
- Australien: 1984–2011 (27 Jahre)
Die Forscher verglichen zwei Strategien: Sofortige Einmalanlage (Lump Sum Investing, LSI) gegen gestaffeltes Investieren über 12 Monate (Dollar Cost Averaging, DCA). Getestet wurden sowohl ein ausgewogenes Portfolio (60% Aktien, 40% Anleihen) als auch ein reines Aktienportfolio (100% Aktien).
Das Ergebnis: In etwa 68 % der untersuchten rollierenden 10-Jahres-Perioden erzielte die sofortige Einmalanlage bessere Renditen als das gestaffelte Investieren2. Selbst nach Anpassung für die höhere Volatilität eines Aktien-Anleihen-Portfolios gegenüber Cash-Investments blieb das Ergebnis bestehen.
Der Grund ist simpel: Aktienmärkte steigen über lange Zeiträume trotz zwischenzeitlicher Crashs. Wer sein Geld schrittweise investiert, hält einen Teil davon länger in Cash – und verpasst potenzielle Kursgewinne¹. Selbst wer regelmässig auf dem Höchststand kauft, schneidet langfristig deutlich besser ab als jemand, der sein Geld auf dem Sparkonto liegen lässt.
Die Kehrseite: In etwa 32 % der Fälle hätte gestaffeltes Investieren oder Warten tatsächlich einen Vorteil gebracht¹ – nämlich dann, wenn die Märkte kurz nach dem Einstieg deutlich gefallen sind. Das Problem: Niemand kann vorher wissen, ob wir uns gerade in den 68 % oder in den 32 % befinden. Markttiming ist nicht nur schwierig – es kostet dich statistisch gesehen mehr, als es bringt.

Jetzt kaufen oder warten? Was das Warten kostet
Lass mich dir in Zahlen zeigen, was Abwarten bedeutet. Ich habe zwei typische Szenarien durchgerechnet – mit 6,7 % jährlicher Rendite über 20 Jahre.
Szenario 1: Du hast 10’000 Franken zum Investieren
| Zeitpunkt | Endwert nach 20 Jahren (in Franken) | Opportunitätskosten (in Franken) |
| Heute investieren | 36’584 | – |
| 6 Monate warten | 35’417 | 1’167 |
| 12 Monate warten | 34’287 | 2’297 |
Ein Jahr zuwarten kostet dich über 2’200 Franken – das sind 6,3 % deines Endwerts. Jeder Monat kostet rund 190 Franken.
Szenario 2: Monatlicher Sparplan mit 500 Franken
| Zeitpunkt | Gesamteinzahlung (in Franken) | Endwert nach 20 Jahren (in Franken) | Opportunitätskosten (in Franken) |
| Heute starten | 120’000 | 246’618 | – |
| 6 Monate später | 117’000 | 235’789 | 10’828 |
| 12 Monate später | 114’000 | 225’307 | 21’311 |
Wer ein Jahr später beginnt zu investieren, verliert über 21’000 Franken – obwohl nur 6’000 weniger eingezahlt wurden. Das ist der Zinseszins-Effekt in Aktion: Jeder Monat Verzögerung kostet rund 1’775 Franken.
«Aber was, wenn die Kurse nach meinem Einstieg fallen?»
Jetzt denkst du vielleicht: «Wenn die Kurse kurz nach meinem Einstieg um 20% fallen, wäre Warten doch besser gewesen.» Das stimmt – für diesen konkreten Fall. Das Problem: Niemand weiss vorher, ob die Kurse steigen oder fallen.
Die Vanguard-Daten zeigen: In 68 % aller historischen Szenarien war sofortiges Investieren besser¹. Das bedeutet: In 32 % der Fälle hätte Warten einen Vorteil gebracht¹. Die Frage ist: Setzt du auf 32 % Wahrscheinlichkeit – und riskierst dabei, dass die Kurse steigen und du teurer einsteigen musst? Oder investierst du jetzt und akzeptierst kurzfristige Schwankungen – im Wissen, dass die Kurse langfristig steigen?
Die Pictet-Studie gibt die Antwort: Selbst wer zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt einstieg, hatte nach 14 Jahren immer Gewinn. Warten ist teurer als ein vermeintlich «schlechter» Einstiegszeitpunkt.
Einmalanlage oder Sparplan – einfach beginnen
Ob du einen grösseren Betrag hast oder monatlich sparen möchtest: Die Sorge vor dem «falschen Zeitpunkt» ist bei beiden dieselbe. Meine Empfehlung ist immer: einfach beginnen.
Grösserer Betrag? Direkt investieren.
Wenn du einen Betrag zur Verfügung hast – aus Erbschaft, Bonus oder aufgelöstem Sparkonto –, empfehle ich, ihn direkt am Aktienmarkt anzulegen¹. Die Vanguard-Studie ist eindeutig: Sofortiges Investieren schlägt gestaffeltes Anlegen in zwei von drei Fällen¹. Aktienmärkte steigen langfristig, und jeder Tag im Markt zählt.
Monatlich sparen? Sparplan einrichten.
Für regelmässiges Sparen ist ein automatisierter Sparplan ideal. Du legst einmal fest, wie viel du monatlich investierst, richtest einen Dauerauftrag ein – fertig. Der Vorteil: Du kaufst bei hohen Kursen weniger Anteile, bei tiefen mehr – die Volatilität wird geglättet. Ich habe selbst einen für meine Tochter eingerichtet, mehr dazu im Artikel zum Findependent Kinderportfolio.
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Ein Sparplan erzielt tendenziell etwas niedrigere Renditen als eine Einmalanlage – weil ein Teil des Geldes länger uninvestiert bleibt¹. Aber das ist nebensächlich. Entscheidend ist: Du fängst an.
Investiert bleiben – die grösste Herausforderung
Der Einstieg ist nicht die grösste Hürde. Die grösste Herausforderung ist das Durchhalten, wenn die Kurse fallen. Zwischenzeitliche Rückgänge sind normal. Ich habe in den letzten drei Jahrzehnten viele Crashs miterlebt – jedes Mal erholten sich die Märkte langfristig und erreichten neue Höchststände.
Die Pictet-Studie zeigt: Selbst wer 1929 kurz vor dem Wall-Street-Crash investierte, war nach 14 Jahren im Plus. Wer dagegen panisch verkaufte, realisierte Verluste und verpasste die Erholung.
Drei Grundregeln
- Investiere nur Geld, das du 10+ Jahre nicht brauchst – so kannst du Schwankungen aussitzen und vom langfristigen Wachstum profitieren
- Setze auf breite Diversifikation – am einfachsten mit weltweit gestreuten ETFs
- Bleib passiv statt aktiv zu handeln – passive ETFs schlagen aktive Fonds langfristig
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Häufige Fragen zu «Jetzt kaufen oder warten»?
Soll ich jetzt kaufen oder warten?
Heute investieren. Die Vanguard-Studie in drei grossen Märkte zeigt: Sofortiges Investieren schlägt Warten in 68 % der Fälle. Die Pictet-Analyse belegt: Wer Schweizer Aktien mindestens 14 Jahre hält, hat seit 1926 in keinem einzigen Fall Verlust gemacht – egal ob kurz vor einem Crash eingestiegen. Der beste Zeitpunkt war vor zehn Jahren, der zweitbeste ist heute.
Was kostet es, mit dem Investieren zu warten?
Viel. Bei einer Einmalanlage von 10’000 Franken kostet ein Jahr Warten über 2’200 Franken Rendite (bei 6,7% jährlicher Rendite über 20 Jahre). Bei einem monatlichen Sparplan von 500 Franken verlierst du über 21’000 Franken, wenn du ein Jahr später startest – obwohl du nur 6’000 Franken weniger einzahlst. Der Zinseszins-Effekt macht den Unterschied.
Wie lange muss man Aktien halten, um keinen Verlust zu machen?
Die Pictet-Studie analysierte Schweizer Aktien seit 1926 und zeigt: Bei einer Haltedauer von mindestens 14 Jahren gab es in keinem einzigen Fall einen Verlust. Bei 10 Jahren lag die Erfolgsquote bei 97 von 99 Jahren, bei 5 Jahren bei 85 von 99 Jahren. Zeit im Markt ist entscheidender als der Einstiegszeitpunkt.
Was ist besser: Einmalanlage oder Sparplan?
Die Vanguard-Studie ist eindeutig: Eine sofortige Einmalanlage (Lump Sum Investing) schlägt gestaffeltes Investieren über 12 Monate (Dollar Cost Averaging) in 68 % der Fälle. Wenn du einen grösseren Betrag hast, investiere ihn direkt. Für monatliches Sparen ist ein automatisierter Sparplan ideal – er glättet Schwankungen und macht das Investieren zur Routine.
Zusammenfassung: Jetzt kaufen oder warten? Time beats Timing
Nach Jahren, in denen ich Menschen bei Finanzentscheidungen begleite, ist meine Erkenntnis zu «Jetzt kaufen oder warten» sehr klar: Nicht wann du beginnst, ist entscheidend – sondern dass du beginnst und investiert bleibst.
Die Pictet-Studie über fast 100 Jahre zeigt: Bei 14 Jahren Haltedauer gab es keinen einzigen Verlust. Die Vanguard-Analyse belegt: Sofortiges Investieren schlägt Warten statistisch in 68 % der Fälle¹. Selbst auf dem Höchststand eingestiegen, wächst dein Vermögen langfristig deutlich mehr als auf dem Sparkonto. Wer auf den perfekten Moment wartet, zahlt durch entgangene Rendite einen hohen Preis.
Der beste Zeitpunkt zu investieren war vor zehn Jahren. Der zweitbeste ist heute. Eröffne ein Depot, setze einen ETF-Sparplan auf, richte einen Dauerauftrag ein – und los geht’s. Du wirst merken: So kompliziert ist das gar nicht.

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Disclaimer
Wir haben für die Erstellung der Inhalte dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Fehler können wir trotzdem nicht ausschliessen und können keine Gewähr für inhaltliche Korrektheit, Aktualität des Inhalts und Vollständigkeit bieten. Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Wir bieten keine Anlage- oder Steuerberatung an und empfehlen Steuerfragen in jedem Fall mit einem Steuerexperten und/oder der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung abzuklären. Jegliche Haftung wird abgelehnt.
- Pictet (2025): Historical performance of shares and bonds in Switzerland (1926-2024) ↩︎
- Vanguard (2012): «Dollar-cost averaging just means taking risk later». Autoren: Anatoly Shtekhman, CFA; Christos Tasopoulos; Brian Wimmer, CFA. ↩︎
Last update: 14.02.2026 14:36

