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Klumpenrisiko Aktien: Wann eine Position zu gross ist

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Lesedauer 6 Minuten

Sandy und Pedro arbeiten bei Google in Zürich, verdienen gut und besitzen Aktien ihres Arbeitgebers. Klingt nach einer soliden Ausgangslage. Bei diesem Coaching-Paar, das ich vor einigen Jahren betreute, machten Google-Aktien jedoch 80 % des gesamten Vermögens aus. Finde heraus, wo die Grenze bei Klumpenrisiko Aktien verläuft.

Klumpenrisiko Aktien: Wie gross darf eine einzelne Position im Portfolio sein?

Portfoliodiversifikation lässt sich wissenschaftlich fundiert bereits mit rund 30 Einzeltiteln erreichen. Daraus lässt sich eine einfache Faustregel ableiten: Eine einzelne Aktie oder Obligation sollte nicht mehr als 3 % des Gesamtportfolios ausmachen. Spätestens ab 5 % ist Handeln angesagt, unabhängig davon, ob die Position durch Kursgewinne gewachsen ist oder durch gezielten Zukauf.

Diese Grenze gilt für Einzelaktien und Einzelobligationen, nicht für breit gestreute ETFs, die viele Titel abbilden. Ein solcher ETF kann durchaus mehr als 5 % des Portfolios ausmachen, ohne dass ein Klumpenrisiko entsteht; die Streuung innerhalb des ETFs übernimmt bereits die Risikoreduktion. Wer 20 % seines Vermögens in einen MSCI-World-ETF hält, geht ein ganz anderes Risiko ein als jemand, der 20 % in eine einzelne Aktie steckt.

Der Finanzprofessor Meir Statman liefert die Begründung für diese Zahl. Er zeigte 1987 in einer viel zitierten Studie, dass ein Portfolio mindestens 30 bis 40 zufällig gewählte Aktien braucht, um das unternehmensspezifische Risiko wirksam zu reduzieren. Aus 100 % geteilt durch 30 Titel ergibt sich die 3-%-Marke als vernünftige Obergrenze pro Einzeltitel.

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Wie schneiden Einzelaktien im Vergleich zum Markt ab?

Die Forschung liefert einen weiteren, noch gewichtigeren Grund für die 3-%-Regel: Die meisten Einzelaktien schlagen den breiten Markt gar nicht.

Der Finanzprofessor Antti Petajisto untersuchte, wie sich einzelne Aktien im Vergleich zu einem breit gestreuten Marktindex entwickeln. Sein Befund fällt eindeutig aus. Die Mehrheit der Einzeltitel bleibt hinter dem Gesamtmarkt zurück, während wenige Ausreisser den grössten Teil der Marktrendite erzeugen.

Hendrik Bessembinder kam mit seiner Studie «Do Stocks Outperform Treasury Bills?» zu einem ähnlichen und noch deutlicheren Resultat. Über den Zeitraum von 1926 bis 2016 schlugen weniger als die Hälfte aller US-Aktien überhaupt eine risikolose Anlage in Staatsanleihen. Seine Folgestudie «Wealth Creation in the US Public Stock Markets 1926–2019» bestätigt das Muster. Nur rund 4 % aller Aktien erklären praktisch den gesamten Vermögenszuwachs, den der US-Aktienmarkt seit 1926 geschaffen hat.

J.P. Morgan kommt in der laufend aktualisierten Studie «The Agony & the Ecstasy» zu einem vergleichbaren Bild. Bei der Analyse sämtlicher Russell-3000-Titel seit 1980 zeigt sich ein klares Muster. Rund 40 % aller Aktien erlitten irgendwann einen dauerhaften Kurseinbruch von 70 % oder mehr, ohne sich davon je zu erholen. Auch eine Untersuchung von Baird zu 309 Einzelaktien zwischen 2006 und 2016 zeigt ein ähnliches Bild. Über ein Drittel dieser Aktien schnitt schlechter ab als ein simples 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen, dies bei deutlich höherer Schwankungsbreite.

Klumpenrisiko aktien studienergebnisse

Wer auf einzelne Aktien statt auf den breiten Markt setzt, geht ein höheres Risiko ein und hat gleichzeitig eine geringere Chance auf eine überdurchschnittliche Rendite. Wer stattdessen breit über viele Positionen streut, profitiert von der Marktrendite. Er muss dabei nicht auf die wenigen Gewinneraktien wetten, die im Nachhinein ohnehin niemand zuverlässig erkennt.

Warum sind Arbeitgeberaktien ein doppeltes Klumpenrisiko?

Wer Aktien seines Arbeitgebers als Teil des Lohns erhält, trägt ein doppeltes Risiko. Das Einkommen hängt am Unternehmen, und das Vermögen ebenfalls. Geht es der Firma schlecht, trifft das gleich zweimal: durch Lohnkürzungen oder Stellenabbau auf der einen Seite, durch fallende Aktienkurse auf der anderen.

Deshalb gilt für Mitarbeiterbeteiligungen eine klare Regel. Sobald die Lock-up-Periode abgelaufen ist, sollten Arbeitgeberaktien verkauft und der Erlös breit diversifiziert reinvestiert werden. Eine Ausnahme besteht für Gründerinnen und Gründer oder wesentliche Partner eines Unternehmens. Wer das Unternehmen selbst mitgegründet hat oder massgeblich daran beteiligt ist, kann faktisch nicht einfach aussteigen; die Position ist Teil der unternehmerischen Rolle und lässt sich nicht wie eine gewöhnliche Kapitalanlage behandeln.

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Bringt Nähe zum Unternehmen einen Anlagevorteil?

Häufiges Missverständnis: Viele glauben, sie würden ein Unternehmen besonders gut kennen, weil sie im gleichen Land wohnen oder gar dort arbeiten. Diese Nähe fühlt sich nach einem Informationsvorsprung an, ist aber keiner.

Sandy und Pedro waren finanziell in Google investiert und kannten das Unternehmen von innen als Angestellte. Trotzdem hätte niemand von ihnen den AI-Boom ab 2025 vorhersehen können, der die Aktie seither deutlich beflügelt hat. Rückblickend kann man sagen, dass es finanziell besser gewesen wäre, die Position zu behalten. Das ändert nichts an der Empfehlung von damals: Wer vorher nicht weiss, welche Aktie zu den wenigen Gewinnern gehört, fährt im Zweifel besser mit einer Wette auf den ganzen Markt statt auf einen Einzeltitel. Diese Erkenntnis lässt sich erst im Nachhinein gewinnen, nie vorher.

Welchen Vorteil haben Schweizer Anleger beim Verkauf?

In der Schweiz sind private Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Aktien steuerfrei, solange keine gewerbsmässige Wertschriftenhändlertätigkeit vorliegt. Wer eine zu grosse Einzelposition abbaut, muss also keine steuerlichen Überlegungen anstellen.

Das einzige, was einem Verkauf in der Schweiz im Weg steht, ist die Angst vor Bedauern. Der Kurs könnte nach dem Verkauf weitersteigen. Diese Sorge ist menschlich, aber sie ist kein guter Ratgeber. Noch niemand ist daran gestorben, Gewinne mitzunehmen. 📈

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Wie baust du eine zu grosse Position konkret ab?

Wer eine zu gross gewordene Einzelposition reduzieren will, profitiert von einem einfachen, zweistufigen Plan. Dieser sollte spätestens dann umgesetzt werden, wenn die Position 5 % des Portfoliowerts überschritten hat.

Zuerst wird die Zielgrösse festgelegt, also der Anteil, den die Position künftig maximal noch ausmachen soll, typischerweise 3 % oder weniger. Die Differenz zwischen der heutigen Grösse und der Zielgrösse wird in zwei Schritten verkauft. Die Hälfte davon sofort, sobald der Entscheid gefallen ist. Die zweite Hälfte folgt nach einer festen Frist, üblicherweise sechs Monate später.

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Unser Tipp: Ein fester Zeitplan erleichtert den Ausstieg

👉 Dieser feste Zeitplan macht den Verkauf leichter, weil die Entscheidung nicht laufend neu getroffen werden muss. Der erste Verkauf reduziert das Risiko sofort spürbar, der zweite Verkauf verteilt das verbleibende Timing-Risiko. Wer den freigewordenen Betrag anschliessend in einem breit gestreuten ETF-Portfolio anlegt, hat das Klumpenrisiko eliminiert und ist wieder marktbreit investiert.

Zusammenfassung: Klumpenrisiko Aktien – wann eine Position zu gross ist

Eine einzelne Aktie oder Obligation, die mehr als 3 % des Portfolios ausmacht, ist im Grunde bereits zu gross; spätestens ab 5 % führt kein Weg mehr an einer Reduktion vorbei. Die wissenschaftliche Basis dafür ist solide: Rund 30 Titel reichen für eine breite Diversifikation, und die meisten Einzelaktien schlagen den Gesamtmarkt ohnehin nicht.

Arbeitgeberaktien verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie Einkommen und Vermögen gleichzeitig an ein einziges Unternehmen binden. Ausser bei Gründerinnen, Gründern und wesentlichen Partnern gilt: Nach der Lock-up-Periode verkaufen und breit reinvestieren. In der Schweiz gibt es dafür keine steuerliche Hürde. Was bleibt, ist die Angst vor Bedauern, der sich mit einem klaren Zwei-Schritte-Plan gut begegnen lässt.

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Häufige Fragen zu Klumpenrisiko Aktien

Was versteht man unter Klumpenrisiko bei Aktien?

Ein Klumpenrisiko Aktien entsteht, wenn eine einzelne Aktie oder Obligation einen unverhältnismässig grossen Anteil des Portfolios ausmacht. Fällt der Kurs dieses einen Titels, trifft das Vermögen ungleich stärker als bei breiter Streuung.

Wie viel Prozent des Portfolios darf eine Einzelaktie maximal ausmachen?

Als Faustregel gilt: nicht mehr als 3 % des Gesamtportfolios pro Einzeltitel. Spätestens ab 5 % ist ein Abbau angezeigt, unabhängig davon, wie die Position so gross geworden ist.

Ist es riskant, Aktien des eigenen Arbeitgebers zu besitzen?

Ja, weil Einkommen und Vermögen damit am selben Unternehmen hängen. Nach Ablauf der Lock-up-Periode sollten Arbeitgeberaktien deshalb verkauft und breit reinvestiert werden, ausser man ist Gründerin, Gründer oder wesentlicher Partner des Unternehmens.

Wie lange kann der Abbau einer zu grossen Einzelposition dauern?

Ein bewährter Ansatz ist ein Zwei-Schritte-Plan über sechs Monate: die Hälfte der Differenz zur Zielgrösse sofort verkaufen, die zweite Hälfte nach sechs Monaten. So wirst du dein Klumpenrisiko Aktien in überschaubarer Zeit los.

Zählt ein ETF auch als Klumpenrisiko, wenn er einen grossen Portfolioanteil ausmacht?

Nein. Die 3-%-/5-%-Regel gilt für Einzelaktien und Einzelobligationen, nicht für breit gestreute ETFs, da diese bereits intern diversifiziert sind.

Disclaimer

Der Inhalt dieses Artikels dient ausschliesslich zu Weiterbildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Finanzempfehlungen oder Werbematerial dar.

Wir haben für die Erstellung der Inhalte dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Fehler können wir trotzdem nicht ausschliessen und können keine Gewähr für inhaltliche Korrektheit, Aktualität des Inhalts und Vollständigkeit bieten. Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Wir bieten keine Anlage- oder Steuerberatung an und empfehlen Steuerfragen in jedem Fall mit einem Steuerexperten und/oder der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung abzuklären. Jegliche Haftung wird abgelehnt. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, die im schlimmsten Fall zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen können.

Last update: 24.08.2026 17:58

Autor

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Ich bin Finanzcoach und Gründer von Smolio, der unabhängigen Plattform für Vorsorge- und Finanzthemen in der Schweiz. Hier zeige ich dir, wie das Schweizer 3-Säulen-System, die Säule 3a und deine Pensionskasse für dich konkret funktionieren, ohne dass ich dir dabei Finanzprodukte verkaufe.Meine Erfahrung stammt nicht nur aus der Theorie. Als Stiftungsrat und Vizepräsident der Anlagekommission bei comPlan, der Pensionskasse der Swisscom, sitze ich seit Jahren mittendrin in den Entscheidungen, die deine zweite Säule betreffen. Nebenbei doziere ich an der FHGR und an der HSLU/IFZ und habe zwei Bücher geschrieben, «Mehr Geld zum Leben» mit dem FISS-Budgetmodell sowie «Retire Early, The Simple Guide» zur finanziellen Unabhängigkeit.Seit über 30 Jahren bin ich selbst Privatanleger, mittlerweile in fast allen Anlageklassen und über zwei Vorsorgesysteme hinweg. Genau dieses Erfahrungswissen, kombiniert mit meiner Arbeit bei comPlan und meinem Doktortitel in Wirtschaftsinformatik, ist die Basis von allem, was du auf Smolio liest.Dabei ist mir eine klare Rolle wichtig. Ich bin Finanzcoach mit viel Praxiswissen und kein zertifizierter oder regulierter Berater. Du liest meine Meinung und meine fundierten Erfahrungen, triffst aber alle Entscheidungen in eigener Verantwortung.

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