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Cash-Quote im Portfolio: Wie viel Liquidität ist sinnvoll?

Cash-quote im portfolio
Lesedauer 8 Minuten

Im Netz kursiert die Empfehlung, deine Cash-Quote im Portfolio solle 10 bis 20 Prozent betragen. Professionelle Vermögensverwalter kommen mit 1 bis 5 Prozent aus. Finde heraus, warum eine tiefe Cash-Quote meist die bessere Wahl ist und wann eine Ausnahme sinnvoll wird.

Was ist die Cash-Quote im Portfolio und wie berechnest du sie?

Die Cash-Quote beschreibt den Anteil deines Anlagevermögens, den du nicht investiert hast, sondern als Bargeld oder auf einem Verrechnungskonto hältst. Ein Beispiel macht das greifbar. Wer 50’000 Franken im Depot hat und davon 45’000 Franken in Aktien und ETF investiert, hält 5’000 Franken als Cash. Das ergibt eine Cash-Quote von 10 Prozent. Wer seine Cash-Quote im Portfolio kennt, behält jederzeit den Überblick, wie viel seines Vermögens tatsächlich investiert ist.

Wichtig dabei ist die Abgrenzung. Die Cash-Quote betrifft ausschliesslich dein Anlagevermögen, also das Geld, das du langfristig am Kapitalmarkt arbeiten lassen willst. Dein Notgroschen gehört nicht dazu, auch wenn viele Ratgeber diese Trennung nicht klar genug ziehen.

Warum gehört der Notgroschen nicht in deine Cash-Position im Portfolio?

Der Notgroschen hat eine andere Funktion als die Cash-Quote im Depot. Er sichert deine kurzfristige Zahlungsfähigkeit für ungeplante Ausgaben ab, etwa wenn die Waschmaschine kaputtgeht, eine teure Autoreparatur ansteht oder eine hohe Arztrechnung ins Haus flattert. In der Schweiz gilt dafür eine Faustregel von 3 bis 6 Monatsausgaben, je nach Anstellungssituation und familiärer Verantwortung.

Der Notgroschen gehört auf ein separates Sparkonto, getrennt vom Wertschriftendepot und vom Alltagskonto. So siehst du jederzeit klar, wie viel Geld tatsächlich auf dem Handelskonto liegt und noch investiert werden sollte. Mit unserem Notgroschen-Rechner findest du in wenigen Minuten heraus, wie hoch deine persönliche Reserve ausfallen sollte.

Wer diese Trennung nicht sauber zieht, verwechselt schnell zwei völlig unterschiedliche Zwecke. Das eine Geld sichert deine Existenz ab, das andere soll dein Vermögen vermehren. Beides in einen Topf zu werfen führt fast zwangsläufig zu einer viel zu hohen Cash-Position im eigentlichen Portfolio.

Cash-quote im portfolio

Wie hoch sollte die Cash-Quote im Portfolio sein?

Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Oft liest man als Empfehlung 10 bis 20 Prozent Cash im Depot, damit bei Kaufgelegenheiten genug Pulver trocken bleibt. Ein Blick in die professionelle Vermögensverwaltung zeigt eine andere Tendenz, auch wenn ein einzelner Anbieter naturgemäss keine repräsentative Grösse ist. Der Schweizer Robo-Advisor True Wealth hält selbst in der Strategie mit dem höchsten Aktienanteil von 99 Prozent nur 1 Prozent Cash als Minimum, rein zur Abwicklung von Rebalancing und Gebühren. Klassische Vermögensverwaltungsmandate mit ausgewogenem Risikoprofil kalkulieren zudem oft mit rund 5 Prozent Liquidität, deutlich unter den im Netz kursierenden 10 bis 20 Prozent. Damit ist klar, dass die Cash-Quote im Portfolio in der Praxis meist deutlich tiefer ausfällt als im Internet oft behauptet.

Auch der Gesetzgeber sieht Liquidität nicht als eigenständiges Renditeziel. Die BVV2, die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, regelt unter anderem, wie Schweizer Pensionskassen ihr Vermögen anlegen dürfen. Sie verpflichtet Vorsorgeeinrichtungen, drei Ziele gleichzeitig zu verfolgen. Sicherheit und Risikoverteilung nach Artikel 50, Ertrag nach Artikel 51 und Liquidität nach Artikel 52. Liquide Mittel dienen dabei ausdrücklich der Zahlungsfähigkeit, nicht dem Renditeaufbau. Manche Anlagestiftungen begrenzen ihre liquiden Mittel deshalb bewusst auf 15 Prozent des Nettovermögens.

«Cash sitzt nur faul auf der Bank, es arbeitet nicht. Darum sollte im Portfolio im Grunde kein Cash liegen.» – Thomas Walke, Finanzexperte bei Smolio

Seine persönliche Faustregel liegt unter 3 Prozent, analog zur Regel für jede andere Einzelposition in einem breit diversifizierten Portfolio. Genauso wie eine einzelne Aktie nicht mehr als 3 Prozent des Depots ausmachen sollte, gilt das für ihn auch für Cash. Wer 10 oder 20 Prozent Cash hält, hat faktisch eine überdimensionierte Einzelposition im Portfolio, ein Klumpenrisiko wie bei Aktien.

Zwei Lager kritisieren hohe Cash-Bestände dabei aus völlig unterschiedlichen Richtungen und landen trotzdem beim gleichen Schluss. Die klassische Kapitalmarkttheorie verweist auf die Opportunitätskosten: Wer Cash hält, verzichtet auf die höhere erwartete Rendite von Aktien. Die zweite Kritik kommt von der Inflationsseite. Staaten sind hoch verschuldet und entwerten ihre Schulden über Zeit durch Inflation, wenn die Verzinsung dauerhaft unter der Teuerung liegt. Das trifft dich als Sparer bei einer hohen Cash-Position deutlich stärker als bei einem breit diversifizierten Portfolio. Beide Lager kommen aus entgegengesetzten Gründen zur gleichen Empfehlung, möglichst wenig Cash zu halten.

Lohnt es sich, Cash für eine Kaufgelegenheit bei fallenden Kursen zurückzuhalten?

Ein beliebtes Argument für eine höhere Cash-Quote lautet, man wolle bei einem Kurseinbruch günstig nachkaufen können. Das klingt plausibel, hält der Praxis aber selten stand. Wer bei einer Gelegenheit umschichten will, muss dafür nicht zwingend Cash zurückhalten. Er kann genauso gut risikoärmere Portfolioteile wie Anleihen liquidieren und in Aktien umschichten, sofern das zur persönlichen Asset Allocation passt. Cash dagegen verliert in der Zwischenzeit laufend an Kaufkraft und erwirtschaftet keinen Ertrag. Wer die Cash-Quote im Portfolio aus Angst vor einem Kurseinbruch dauerhaft hochhält, zahlt dafür einen stillen Preis in Form entgangener Rendite.

Thomas Walke kennt das Muster aus seiner Coaching-Praxis gut. «Ich treffe immer wieder Klienten, die aus Angst vor Investitionen eine sehr grosse Cash-Position halten», sagt er. «Sie schaffen den Einstieg nicht und haben dann sechsstellige Beträge auf dem Sparkonto liegen. Peace of Mind bezahlen sie mit Renditeverlust.» Nadine, eine Ärztin aus seiner Coaching-Praxis, erbt eine grössere Summe und zögert monatelang, das Geld anzulegen. Erst als sie im Gespräch ihren Notgroschen klar vom übrigen Vermögen trennt, verliert die Summe auf dem Konto ihren Schrecken, und sie beginnt, schrittweise zu investieren. Auch Corina und Beat aus Winterthur, die ihre Frühpensionierung planen, haben bei ihrem Coaching-Termin noch erhebliche Mittel unangetastet auf dem Sparkonto liegen. Sobald für sie klar ist, dass in der Entnahmephase nur ein Jahr Mittelbedarf als Cash-Puffer nötig ist, fliesst der Rest zurück ins Portfolio.

Cash-quote im portfolio

Ist es besser, eine grössere Summe sofort zu investieren oder gestaffelt einzusteigen?

Wer eine Erbschaft, einen Bonus oder einen Verkaufserlös zu investieren hat, steht oft vor genau dieser Frage. Eine 2012 veröffentlichte Vanguard-Studie hat historische Daten aus den USA, Grossbritannien und Australien über rollierende 10-Jahres-Perioden ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig. Sofortiges Investieren als Einmalbetrag schlägt eine gestaffelte Investition über 12 Monate in rund zwei Dritteln der untersuchten Zeiträume, im Schnitt um 1 bis 2 Prozentpunkte. Der Grund liegt in der Mathematik. Aktienmärkte steigen deutlich häufiger, als sie fallen. Wer wartet, verpasst darum im Schnitt mehr Rendite, als er durch das gestaffelte Vorgehen an Sicherheit gewinnt.

Der Datenanalyst Nick Maggiulli bringt es noch pointierter auf den Punkt. Stell dir einen Anleger mit perfektem Timing vor, der jedes Jahr exakt am tiefsten Punkt zwischen zwei Allzeithochs kauft. Selbst er schlägt langfristig kaum jemanden, der einfach sofort investiert. Das Timing des Ausstiegs und erst recht des Wiedereinstiegs sei psychologisch enorm schwierig und funktioniere deshalb in der Praxis selten.

Wer sich mit einer sofortigen Vollinvestition unwohl fühlt, kann trotzdem einen Mittelweg wählen. Ein gestaffelter Plan über einige Monate ist für viele psychologisch einfacher umzusetzen als der Schritt ins kalte Wasser, auch wenn die historische Datenlage ein anderes Vorgehen nahelegt. Wichtig ist dabei nur ein fester Zeitpunkt, bis wann die gesamte Summe investiert sein soll. So wird aus der Staffelung kein dauerhaftes aufschieben. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag «Jetzt kaufen oder warten?»

Wie lange dauert es, bis sich die Börse nach einem Crash erholt?

Ein Argument für eine hohe Cash-Quote lautet, man wolle für den nächsten Crash gewappnet sein. Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre relativiert diese Sorge deutlich. Der Corona-Crash 2020 liess den S&P 500 innert 33 Handelstagen um rund 34 Prozent einbrechen. Die Erholung bis zum neuen Allzeithoch dauerte danach aber nur etwa 5 bis 6 Monate. Bei der Inflations- und Zinskrise 2022 fiel der Index von Januar bis Oktober um rund 25 Prozent. Die Erholung zog sich hier etwas länger hin, aber auch nur rund 12 Monate.

Die grossen Markteinbrüche der letzten zehn Jahre waren also im Schnitt innerhalb von rund zwölf Monaten wieder ausgestanden. Wer sein Geld über Jahre in Cash parkt, um auf den nächsten Einbruch zu warten, riskiert also mehr Rendite zu verlieren. Der vermeintliche Sicherheitspuffer wiegt das selten auf. Mehr dazu liest du in unserem Artikel Aktien kaufen wenn die Börse fällt.

Wie hoch sollte die Cash-Position in der Pensionierung sein?

Eine wichtige Ausnahme gilt für Menschen, die ihren Ruhestand aus bezogenem Pensionskassenkapital finanzieren. Sie sind auf ein regelmässiges Einkommen aus diesem Vermögen angewiesen. Für diese Situation empfiehlt Thomas Walke, die Cash-Position so zu bemessen, dass sie den Mittelbedarf eines ganzen Jahres abdeckt. Das verhindert, dass bei einer rückläufigen Börsenentwicklung Positionen verkauft werden müssen, nur um die laufende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Da sich die grossen Krisen der letzten Jahre innert 12 bis 18 Monaten erholt haben, reicht ein Jahrespuffer meist aus, um diese Phase auszusitzen. Auch hier bleibt die Cash-Quote im Portfolio ausserhalb dieses Jahrespuffers unverändert tief.

Wer sich zusätzlich absichern möchte, orientiert sich an der sogenannten Drei-Töpfe-Strategie. Dabei wird der kurzfristige Topf verzinslich angelegt. Das erste Jahr liegt in Cash. Die Mittel für Jahr 2 und 3 stecken in Kassenobligationen oder anderen festverzinslichen Anlagen, nicht in reinem Cash. Das erhöht die Verzinsung, ohne die Verfügbarkeit wesentlich einzuschränken. Zu beachten ist dabei, dass Festgeld in der Schweiz bei den meisten Banken erst ab einer Summe von 100’000 Franken angeboten wird. Kleinere Beträge bleiben deshalb oft auf einem gewöhnlichen Sparkonto. Details zur optimalen Staffelung liest du in unserem Artikel Zinstreppe Schweiz.

Cash-quote im portfolio

Was tun, wenn deine Cash-Position über 100’000 Franken liegt?

Wer aus welchem Grund auch immer eine grössere Summe als Cash halten muss oder will, sollte die Schweizer Einlagensicherung im Blick behalten. Diese schützt Kontoguthaben nur bis 100’000 Franken je Kundin und Bank. Bei höheren Beträgen lohnt sich eine Aufteilung auf mehrere Bankverbindungen. Wie das konkret funktioniert und was bei einem Bankkonkurs passiert, erklärt unser Beitrag zur Einlagensicherung.

Zusammenfassung: Cash-Quote im Portfolio: Wie viel Liquidität ist sinnvoll?

Kein Vermögenswert ist völlig risikolos. Aktien schützen nicht vor Kursverlusten, Anleihen nicht automatisch vor Inflation. Cash schützt zudem nicht dauerhaft vor Kaufkraftverlust. Eine Auswertung von moneyland.ch über die letzten 87 Jahre zeigt für die Schweiz eine durchschnittliche reale Verzinsung von gerade einmal 0.07 Prozent, in 36 dieser 87 Jahre war die reale Verzinsung sogar negativ.

Entscheidend ist deshalb nicht, welche Anlageklasse isoliert betrachtet am wenigsten Nachteile hat, sondern ob sie im Gesamtsystem ihre vorgesehene Aufgabe erfüllt. Der Notgroschen sichert die kurzfristige Zahlungsfähigkeit ab und gehört auf ein separates Konto. Die Cash-Quote im Portfolio dagegen sollte unter 3 Prozent bleiben. Die einzige Ausnahme gilt für die Entnahmephase in der Pensionierung, wo ein einjähriger Puffer sinnvoll ist.

Wer diese Trennung konsequent umsetzt, lässt sein Geld arbeiten, statt es faul auf der Bank sitzen zu lassen.

Häufige Fragen zum Thema Cash-Quote im Portfolio

Was zählt alles zur Cash-Quote im Portfolio?

Dazu zählt jedes Geld im Anlagevermögen, das nicht in Wertschriften investiert ist, also Bargeld, Verrechnungskonto und Geldmarktanlagen im Depot. Der Notgroschen auf dem separaten Sparkonto zählt nicht dazu.

Ist ein Verrechnungskonto beim Broker auch Teil der Cash-Quote?

Ja, das Verrechnungskonto beim Broker ist der klassische Ort, an dem die Cash-Quote sichtbar wird, denn hier liegt das noch nicht investierte Geld im Depot.

Wie unterscheidet sich die Cash-Quote vom Notgroschen?

Die Cash-Quote betrifft dein Anlagevermögen und sollte unter 3 Prozent bleiben, während der Notgroschen als separate Reserve von 3 bis 6 Monatsausgaben ausserhalb des Portfolios liegt und die kurzfristige Zahlungsfähigkeit sichert.

Was passiert, wenn ich gar kein Cash im Portfolio halte?

Solange der Notgroschen separat gesichert ist, spricht aus unserer Sicht wenig dagegen. Selbst der Robo-Advisor True Wealth arbeitet in seiner offensivsten Strategie mit nur 1 Prozent Cash-Minimum, rein für Rebalancing und Gebühren.

Lohnt sich Market-Timing, um Cash gezielt für Käufe einzusetzen?

Kaum. Die Vanguard-Studie von 2012 zeigt, dass sofortiges Vollinvestieren eine gestaffelte Strategie in rund zwei Dritteln der historischen Zeiträume schlägt, weil Aktienmärkte häufiger steigen als fallen.

Was sagt die BVV2 zur Liquidität von Pensionskassen?

Die BVV2 verpflichtet Schweizer Pensionskassen, Liquidität als eines von drei gleichrangigen Zielen neben Sicherheit und Ertrag zu behandeln. Liquide Mittel dienen dabei ausdrücklich der Zahlungsfähigkeit, nicht dem Renditeaufbau.

Last update: 14.09.2026 21:13

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Ich bin Finanzcoach und Gründer von Smolio, der unabhängigen Plattform für Vorsorge- und Finanzthemen in der Schweiz. Hier zeige ich dir, wie das Schweizer 3-Säulen-System, die Säule 3a und deine Pensionskasse für dich konkret funktionieren, ohne dass ich dir dabei Finanzprodukte verkaufe.Meine Erfahrung stammt nicht nur aus der Theorie. Als Stiftungsrat und Vizepräsident der Anlagekommission bei comPlan, der Pensionskasse der Swisscom, sitze ich seit Jahren mittendrin in den Entscheidungen, die deine zweite Säule betreffen. Nebenbei doziere ich an der FHGR und an der HSLU/IFZ und habe zwei Bücher geschrieben, «Mehr Geld zum Leben» mit dem FISS-Budgetmodell sowie «Retire Early, The Simple Guide» zur finanziellen Unabhängigkeit.Seit über 30 Jahren bin ich selbst Privatanleger, mittlerweile in fast allen Anlageklassen und über zwei Vorsorgesysteme hinweg. Genau dieses Erfahrungswissen, kombiniert mit meiner Arbeit bei comPlan und meinem Doktortitel in Wirtschaftsinformatik, ist die Basis von allem, was du auf Smolio liest.Dabei ist mir eine klare Rolle wichtig. Ich bin Finanzcoach mit viel Praxiswissen und kein zertifizierter oder regulierter Berater. Du liest meine Meinung und meine fundierten Erfahrungen, triffst aber alle Entscheidungen in eigener Verantwortung.
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