
Wie reich bin ich, wenn ich mein Auto und mein Haus abzähle? Und wie reich bin ich im Vergleich zu meinen Nachbarn? Die ehrliche Antwort hat oft wenig mit dem zu tun, was von aussen sichtbar ist. Entdecke, warum ein tieferes Reinvermögen manchmal reicher macht als ein grösseres.
Wer ist reicher: Res oder Reto?
Res und Reto sind beide Anfang fünfzig und arbeiten seit über zwanzig Jahren in der IT-Branche. Ihr Lohn liegt praktisch gleich hoch. Trotzdem könnten sie unterschiedlicher nicht leben.
Res fährt ein Auto, das schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Sein Haus ist gepflegt, aber unauffällig; nichts daran schreit nach Statussymbol. Res kauft sich selten neue Kleider, verzichtet auf teure Ferien und legt jeden Franken, den er übrig hat, konsequent zur Seite. Sein Reinvermögen beträgt heute 2.5 Millionen Franken.
Reto lebt anders. Er fährt einen neuen SUV, sein Haus ist frisch renoviert und mit allem ausgestattet, was der Markt hergibt. Reto geht gern schön essen und bucht jedes Jahr eine Fernreise. Er spart trotzdem, einfach weniger als Res. Sein Reinvermögen liegt bei 900’000 Franken.
Wer ist jetzt reicher? Wer nur auf die Zahl schaut, sagt sofort Res. Die Gesellschaft würde eher auf Reto zeigen, denn er zeigt, was er hat. Beide Antworten greifen zu kurz.
Vielleicht geniesst Res einfach die Sicherheit seines Vermögens, während Reto lieber heute lebt, als für eine ferne Zukunft zu sparen. Genauso gut kann Res sich sein Geld nie gönnen, aus Angst, es reiche nicht. Reto dagegen sitzt auf dem hedonistischen Tretrad fest und kann einfach nicht mehr aufhören.
Bist du also wirklich reich? Diese Frage lässt sich nicht allein mit einer Kontostandsabfrage beantworten. Sie braucht eine Zahl als Ausgangspunkt, aber auch eine Haltung dazu.

Was ist eigentlich dein Reinvermögen?
Bevor du über Reichtum diskutierst, brauchst du eine gemeinsame Grösse. Diese Grösse heisst Reinvermögen. Sie ist simpel definiert: Alle deine Vermögenswerte zusammengezählt, minus alle deine Schulden.
Für Schweizerinnen und Schweizer ist dieser Begriff übrigens keine importierte Modeerscheinung aus den USA. Du begegnest ihm bereits in deiner Steuererklärung. Gemäss Art. 13 des Steuerharmonisierungsgesetzes unterliegt das gesamte Reinvermögen der Vermögenssteuer; es ergibt sich aus deinem Bruttovermögen abzüglich der nachgewiesenen Schulden.
Du musst dein Reinvermögen nicht kompliziert berechnen. Nimm einfach deine letzten Steuererklärungen zur Hand, dort steht die Zahl bereits schwarz auf weiss. Ein Vorbehalt bleibt allerdings. Kapitalversicherungen aus der Pensionskasse und der Säule 3a sind bis zur Auszahlung von der Vermögenssteuer befreit und tauchen deshalb in deiner Steuererklärung gar nicht auf. Für einen vollständigen Überblick über dein persönliches Reinvermögen rechnest du dein Pensionskassen- und Säule-3a-Guthaben separat dazu.
Bevor du finanzielle Ziele setzt, lohnt sich ein Blick auf deine aktuelle Situation. Mehr dazu findest du in diesem Fachbeitrag.
Warum verwechseln viele Vermögenswerte mit Verpflichtungen?
Ein häufiges Missverständnis schmälert bei vielen Menschen ihr Reinvermögen, Jahr für Jahr, ohne dass sie es merken. Sie verwechseln Vermögenswerte mit Verpflichtungen.
Robert Kiyosaki hat diese Unterscheidung in seinem Klassiker «Rich Dad Poor Dad» auf den Punkt gebracht. Ein Vermögenswert bringt dir Geld ein und gewinnt über die Zeit an Wert, etwa Aktien, Obligationen oder eine vermietete Liegenschaft. Eine Verpflichtung kostet dich Geld und verliert an Wert.
Am häufigsten fallen Menschen laut Kiyosaki bei zwei Dingen auf diesen Irrtum herein. Das selbst genutzte Eigenheim gilt vielen als grösster Vermögenswert überhaupt. Es verursacht aber laufend Hypothekarzinsen, Unterhalt und Nebenkosten, ohne dir je Geld einzubringen, solange du selbst darin wohnst. Und das Auto verliert vom ersten Tag an Wert und kostet dich Unterhalt, Versicherung und Treibstoff.
Mehr dazu findest du in diesem Fachbeitrag zum Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verpflichtungen.
Nur weil etwas viel gekostet hat, ist es noch lange kein Vermögenswert. Frag dich bei jeder grösseren Anschaffung, ob sie dir künftig Geld einbringt oder Geld kostet. – Thomas Walke, Finanzexperte bei Smolio
Ab wann bist du in der Schweiz Millionär?
Zahlen helfen, die eigene Position einzuordnen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung zählte 2021 rund 398’681 Millionärinnen und Millionäre in der Schweiz, also Personen mit einem steuerbaren Reinvermögen von mindestens einer Million Franken. Die meisten davon sind sogenannte einfache Millionäre mit einem Vermögen zwischen einer und zwei Millionen Franken; rund 22’000 Personen zählen zu den Superreichen mit über 10 Millionen Franken. Mehr dazu findest du im Fachbeitrag zur Vermögensverteilung in der Schweiz.
Bemerkenswert ist die andere Seite der Skala: 22 % der Steuerpflichtigen haben gar kein Reinvermögen. Die Schere geht dabei jedes Jahr weiter auf. Wer schon viel besitzt, für den wächst das Vermögen prozentual stärker als für den Rest, allein durch Kapitalerträge.
Diese Statistik zeigt eines deutlich: Wie reich bin ich im Vergleich mit anderen, lässt sich in der Schweiz ziemlich genau beziffern. Für die meisten Menschen bringt der Vergleich mit fremden Portemonnaies aber wenig; entscheidender ist eine Orientierung, wo du selbst stehst, und der Vergleich mit deiner eigenen Vorjahreszahl.

Dein jährlicher Reinvermögens-Check
Jetzt wird es praktisch. Statt dich laufend mit anderen zu vergleichen, lohnt sich ein Blick auf deine eigene Entwicklung.
So gehst du vor. Notiere dir einmal im Jahr dein aktuelles Reinvermögen und vergleiche es mit dem Vorjahr. Mehr dazu findest du in diesem Fachbeitrag, samt Rechenbeispiel. Anschliessend stellst du dir eine einzige, aber entscheidende Frage: Verstehst du, warum sich dein Reinvermögen verändert hat? Ist es gewachsen, weil du mehr gespart hast, oder weil deine Wertschriften an der Börse zugelegt haben? Beides fühlt sich am Jahresende gleich gut an, bedeutet aber etwas völlig anderes für deine künftige Planung.
Gerade in jungen Jahren lohnt sich dieser Check besonders. Der Zinseszinseffekt wirkt umso stärker, je länger dein Geld Zeit hat zu arbeiten. Wer mit 30 beginnt, hat gegenüber jemandem, der mit 45 startet, einen enormen Vorsprung, ohne dafür mehr sparen zu müssen. Viele junge Berufstätige gewichten das Hier und Jetzt zu stark und schieben den Vermögensaufbau vor sich her.
👉 Tu deinem künftigen Ich schon früh etwas Gutes, ohne dabei das Leben im Hier und Jetzt zu vernachlässigen. Mehr dazu findest du in diesem Fachbeitrag.
Wofür gibst du gerne dein Geld aus? Das ist dein Genussposten
Wer nur maximal spart, um sein Reinvermögen zu vergrössern, läuft Gefahr, sein Leben aufzuschieben. Das ist keine gute Strategie, denn die Sparquote lässt sich nicht endlos steigern, dein Einkommen dagegen schon.
Stefan, ein guter Kollege von Thomas, Mitte vierzig, hat das für sich früh erkannt. Sein Vater stirbt jung, bevor er seine Ersparnisse fürs Alter je geniessen konnte. Dieses Erlebnis prägt ihn bis heute. Er und seine Frau geben deshalb bewusst einen Teil ihres Einkommens für Erlebnisse im Hier und Jetzt aus. Das ist kein Leichtsinn, sondern eine klare, rationale Entscheidung. Sein Genussposten heisst gutes Essen und Reisen in warme Länder; jeden Winter verlängert er sich damit ein Stück Sommer.
Definiere deinen persönlichen Genussposten und gib dort grosszügig Geld aus, dafür anderswo konsequent weniger. – Thomas Walke, Finanzexperte bei Smolio
Dieses Prinzip kennst du bereits aus dem Fachbeitrag zum Budget mit Spassquote: Ein fixer Anteil deines Budgets bleibt reserviert für das, was dir wirklich wichtig ist, egal wie hoch dein Sparziel sonst ist.
Reiner Frugalismus, bei dem man sich nichts mehr gönnt, führt eher zu Entbehrung als zu einem erfüllten Leben. Genauso wenig macht dich reiner Konsum reich, wenn am Ende des Monats nichts übrig bleibt. Der Mittelweg zwischen Res und Reto liegt also nicht in der Mitte der beiden Zahlen, sondern in einer bewussten Entscheidung, wofür du dein Geld einsetzt.

Zusammenfassung: Wie reich bin ich
Deine Antwort lässt sich nicht an einer einzelnen Zahl ablesen, sondern nur an einer Zusammenstellung, wie du sie auch für deine Steuererklärung erstellst. Dein Reinvermögen ist die gleiche Grösse, die deine Steuererklärung längst kennt. Sie gibt dir einen ehrlichen Ausgangspunkt, auch wenn du Pensionskasse und Säule 3a von Hand dazuzählen musst.
Res und Reto zeigen, dass es die eine richtige Antwort nicht gibt. Passe deine Sparquote an deine Werte an, statt sie stur zu maximieren, und steigere dein Einkommen aktiv, wo das möglich ist. Definiere deinen Genussposten, beobachte dein Reinvermögen einmal im Jahr, und verstehe, warum es sich verändert.
Am Ende bist du dann reich, wenn du mit deinem Reinvermögen, so hoch oder tief es auch ausfällt, zufrieden leben kannst.

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Der Inhalt dieses Artikels dient ausschliesslich zu Weiterbildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Finanzempfehlungen oder Werbematerial dar.
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Häufig gestellte Fragen zu «Wie reich bin ich?»
Was zählt in der Schweiz zum Reinvermögen?
Zum Reinvermögen in der Steuererklärung zählen u.a. dein Bankguthaben, deine Wertschriften und der Verkehrswert deiner Liegenschaften, abzüglich deiner Schulden wie der Hypothek. Massgebend ist Art. 13 des Steuerharmonisierungsgesetzes, das die Grundlage für die Vermögenssteuer in der Schweiz bildet.
Gehören Pensionskasse und Säule 3a zum Reinvermögen?
Für deine eigene Übersicht gehören sie dazu, in der Steuererklärung aber nicht. Kapitalversicherungen aus der Pensionskasse und der Säule 3a sind bis zur Auszahlung von der Vermögenssteuer befreit, du musst sie also separat dazuzählen.
Ab welchem Reinvermögen gilt man in der Schweiz als reich?
Als Millionärin oder Millionär gilt, wer ein steuerbares Reinvermögen von mindestens einer Million Franken hat. 2021 traf das auf rund 398’681 Personen in der Schweiz zu, die meisten davon mit einem Vermögen zwischen einer und zwei Millionen Franken.
Wie berechne ich mein Reinvermögen selbst?
Nimm deine letzten Steuererklärungen zur Hand, dort ist dein Reinvermögen bereits ausgewiesen. Ergänze anschliessend dein Pensionskassen- und Säule-3a-Guthaben, da diese in der Steuererklärung fehlen.
Was ist der Unterschied zwischen Reinvermögen und Bruttovermögen?
Das Bruttovermögen umfasst alle deine Vermögenswerte ohne Abzüge. Das Reinvermögen ergibt sich erst, wenn du davon deine Schulden wie Hypothek oder Kredite abziehst.
Last update: 23.07.2026 11:19

