
Kennst du das Spiel Schach? Und möchtest du mit Geld mehr Geld verdienen? Wir erklären dir, wie Schach, der Zinseszins-Effekt und deine Vorsorge zusammenhängen. Entdecke, wie du mit wenig Aufwand mehr aus deinem Geld machst.
Was ist der Unterschied zwischen linearem und exponentiellem Wachstum?
4 plus 4 ergibt 8, und noch einmal 4 dazu ergibt 12. Das ist linear. 4 mal 4 ergibt 16, und noch einmal mit 4 multipliziert ergibt schon 64. Das ist exponentiell.
Schauen wir uns diesen Effekt mit einer Anekdote aus der arabischen Welt an. Der Legende nach erfand ein Berater eines indischen Herrschers das Schachspiel. Um sich für eine erteilte Lebensweisheit zu bedanken, gewährte der Herrscher seinem Berater einen freien Wunsch. Sissa bin Dahir bat um Weizenkörner: auf jedem Feld doppelt so viele wie auf dem vorherigen. Der Herrscher gewährte es. Nach einigen Tagen des Rechnens stellte der Kornmeister fest, dass er die Zusage nicht einlösen konnte. Die geschuldete Menge entspricht dem über tausendfachen der jährlichen Weizenproduktion unserer Zeit.
Die Anekdote zeigt, wie gross Zahlen durch exponentielle Vermehrung werden. Einstein wurde darum das Zitat zugeschrieben, dass der Zinseszins die grösste mathematische Erfindung menschlichen Denkens sei. Auch wenn dies nur eine Zuschreibung nach seinem Tod ist: an der kraftvollen Hebelwirkung ändert das nichts.

Was ist der Zinseszins und der Zinseszins-Effekt?
Der Zinseszins-Effekt ist die Grundlage dafür, Geld für dich arbeiten zu lassen. Der Zins ist ein prozentual berechneter Betrag, der nach einer bestimmten Laufzeit die verzinste Summe erhöht. Da das Vermögen durch die Verzinsung steigt, bezieht sich der prozentuale Zins bei der nächsten Zinsberechnung auf eine grössere Summe. Du bekommst also im Folgejahr Zins auf die Zinsen des Vorjahres, wenn du den erhaltenen Zins direkt wieder anlegst.
Der Zinseszins-Effekt führt dazu, dass sich das Vermögen nach einer gewissen Zeit verdoppelt und danach exponentiell wächst. Übrigens wirkt er nicht nur bei festverzinslichen Anlagen. Auch Dividenden aus Aktien generieren zusätzliche Erträge, wenn du sie direkt nach Ausschüttung wieder investierst. Geld macht Geld.
Unser Tipp: der Zinseszins spielt bei Schulden gegen dich
👉 Achtung, der Zinseszins-Effekt spielt bei Schulden gegen Dich. Schulden machen mehr Schulden, wenn Du keine Rückzahlungen (laufende Zinszahlungen und/oder Tilgungen) vornimmst. Eine Coaching-Klientin hatte einen Privatkredit zu 8 % aufgenommen und konnte ihn nicht mehr bedienen. Die Schulden türmten sich schnell auf, weil der Zinseszins hier gegen sie wirkte. Das Gleiche gilt für Kreditkartenschulden. Der Rat der Bank, «die Hypothek stehen zu lassen», ist ein Rat für die Bank, nicht für dich. Vermeide Konsumkredite und tilge bestehende möglichst rasch.
Was beeinflusst den Zinseszins?
Wie hoch der Zinseszins ausfällt, hängt von vier Grössen ab: dem Startvermögen, das du zu Beginn anlegst; der Höhe und Häufigkeit weiterer Einzahlungen (Sparraten); dem Anlagehorizont, also wie lange du investiert bleibst; und dem Zinssatz (der Rendite), den du erzielst.
Beim Zinseszins-Effekt gelten drei Prinzipien, jedes für sich und alle zusammen:
- Prinzip 1: Dein Vermögen wächst umso mehr, je grösser dein Startvermögen ist.
- Prinzip 2: Dein Vermögen wächst umso mehr, je länger du anlegst.
- Prinzip 3: Dein Vermögen wächst umso mehr, je höher die Verzinsung ist.
Die 72er-Regel: Daumen mal Pi dein Vermögen berechnen
Mit der 72er-Regel schätzt du ab, wie lange es dauert, bis sich dein Startguthaben verdoppelt. Nehmen wir an, du erzielst eine Rendite von 7 % pro Jahr. Das entspricht ungefähr der historischen Durchschnittsrendite des Weltaktienmarkts (MSCI World). Wie lange dauert die Verdopplung? Die 72er-Regel sagt: teile 72 durch den Zinssatz in Prozent. Bei 7 % Rendite verdoppelt sich dein Vermögen also nach rund 10 Jahren (= 72 / 7).
«Der erste Hunderttausender ist der schwerste. Denn du hast noch alles vor dir und kannst die Wirkung des Zinseszinses noch kaum spüren.» — Charlie Munger, legendärer Investor
Erste 100’000 Franken: Warum sie der härteste Teil des Weges sind
Stell dir vor: du sparst und investierst monatlich 500 Franken bei 6.7 % Rendite pro Jahr. Wann erreichst du die erste Million? Schau dir dazu die folgende Grafik an.
Die ersten 100’000 Franken zu erreichen dauert 11 Jahre. Der Zuwachs der letzten 100’000 von 900’000 Franken auf 1 Million Franken dauert nur noch 1,4 Jahre. Dieselbe Sparrate. Dieselbe Rendite. Faktor 8. Das ist der Zinseszins, der endlich kickt. Ab rund 90’000 Franken Vermögen erreichst du den Kipppunkt. Die jährlichen Zinserträge übersteigen erstmals die jährliche Sparrate. Yay! Das Kapital arbeitet schneller als du.😯
Warum die ersten hunderttausend Franken auch psychologisch zählen
Der erste Hunderttausender ist nicht nur ein finanzieller Meilenstein. Er zeigt dir, dass du von deinem Einkommen etwas sparen und investieren kannst. Und er verändert, wie du dein Geld wahrnimmst. Eine Klientin wurde sichtbar zuversichtlicher, als sie sah, dass ihr Geld durch Anlagen an der Börse wächst. Das wachsende Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist ein wichtiger Punkt. Eine andere Klientin erzählt mir regelmässig, wie viel Freude es ihr macht, dass ihre Anlagen im Wert steigen, ohne dass sie selbst etwas tun muss. Diese Erfahrung motiviert sie, noch mehr anzulegen. 😊
Sparen allein reicht nicht
Irgendwann hast du alles optimiert. Du kannst nicht mehr «mit weniger» auskommen. Dein Hebel liegt dann darin, wie du mehr reinholen kannst: entweder durch mehr Lohn oder durch höhere Rendite auf deine Anlagen. Damit dein Geld nicht faul auf dem Sofa herumchillt, um es bildlich zu sagen. Du arbeitest hart für dein Geld; dann soll es das selbst auch tun. 💪
Wie du bewusst Geld ausgibst und trotzdem mehr für Investitionen freisetzt, zeigen wir im Artikel zu Intentional Spending.
Alles reinwerfen, bis die ersten 100’000 stehen
Was beschleunigt den ersten Hunderttausender? Jede einmalige Zahlung, die du investierst, statt konsumierst:
- Bonus oder 13. Monatslohn vom Job
- Geld zum Geburtstag von Familie oder Freunden
- Steuerrückerstattungen
- Säule 3a maximal ausschöpfen und Steuerersparnis reinvestieren
Zum letzten Punkt: Die meisten wissen gar nicht, wie viel sie als Steuerersparnis durch ihre 3a-Einzahlung bekommen. Die Ersparnis ist nicht direkt sichtbar; sie verschwindet im übrigen Cash auf dem Privatkonto. Als Faustregel gilt: Bei einem steuerbaren Einkommen von rund 100’000 Franken sparst du durch die maximale 3a-Einzahlung von 7’258 Franken je nach Wohnkanton zwischen 1’750 und 2’750 Franken Steuern pro Jahr. In Zürich sind es rund 2’100 Franken, in Bern rund 2’400 Franken. Wer diese Steuerersparnis konsequent wieder anlegt, erreicht die ersten 100’000 rund ein bis zwei Jahre früher.
👉 Tipp: Berechne deinen persönlichen Grenzsteuersatz mit unserem Merkblatt Grenzsteuersatz. So siehst du genau, was deine 3a-Einzahlung wirklich bringt.

Merkblatt Grenzsteuersatz kennen und nutzen
Hole dir kostenlos unser Merkblatt zum Thema Grenzsteuersatz mit wertvollen Tipps und wie du diesen nutzen kannst um deine Steuern zu optimieren. Erfahre wie hoch der Grenzsteuersatz für Singles und Verheiratete in den Kantonshauptsorten ausfällt – und wie du deinen persönlichen Grenzsteuersatz bestimmst.
Möchtest du wissen, ob sich die Säule 3a gegenüber einem ETF-Depot lohnt? Den direkten Vergleich findest du in unserem Fachartikel.
Wie nutzt du den Zinseszins-Effekt für deine Altersvorsorge?
Wenn du Vermögen für deinen Ruhestand ansparst, ist es wichtig, dass du Zinszahlungen oder Dividendenausschüttungen sofort wieder anlegst. Nur dann profitierst du vom Zinseszins-Effekt. Denn die jährliche Inflation (Geldentwertung) führt ebenfalls zu einem exponentiellen Kaufkraftverlust; der Zinseszins ist ihr direkter Gegenspieler.
Daniel und Philipp sparen Geld für die Pension
Der Zinseszins-Effekt wird dramatisch unterschätzt. Darum schauen wir uns das Beispiel von Philipp (25) und Daniel (45) an. Beide beginnen heute, Geld fürs Alter zu sparen.
Daniel muss 3x mehr sparen. Daniel bleiben noch 20 Jahre, Philipp noch 40 Jahre bis zur Pension. Nehmen wir an, beide sparen monatlich gleich viel und haben ein gleiches Startguthaben. Dann hat Philipp am Ende dreimal mehr Vermögen angespart als Daniel. Wenn Daniel trotz späterem Start mit 65 Jahren gleich viel Vermögen wie Philipp erreichen will, muss er monatlich dreimal mehr als Philipp zurücklegen. Je früher du startest, desto stärker arbeitet Prinzip 2 für dich.
Philipp wird Vermögensmillionär. Wenn er mit einem Startguthaben von 7’258 Franken jährlich den Säule-3a-Maximalbetrag 2026 von 7’258 Franken in Wertschriften investiert und dabei die historische Durchschnittsrendite des Weltaktienmarkts erzielt, ist er nach 35 Jahren Vermögensmillionär. Schon 5 Jahre vor dem aktuellen Rentenalter. Er hat dabei nur knapp ein Viertel selbst eingezahlt; die übrigen drei Viertel sind Zinseszinsen.
Wie du in ETF investierst und dabei vom Zinseszins profitierst, erklären wir Schritt für Schritt in unserem ETF-Artikel.
Wieso macht ein kleiner Gebührenunterschied viel aus?
Die Auswirkung von Prinzip 3 zeigt das Beispiel von Reto. Sein langer Anlagehorizont erlaubt ihm, seine Vorsorge in der Säule 3a (dritte Säule) mit Aktienfonds aufzubauen. Er fragt sich, welchen Effekt der Gebührenunterschied zwischen aktiven und passiven Fonds (ETF) in Franken ausmacht. Mehr Gebühren bedeuten nichts anderes als weniger Rendite.
Reto vergleicht einen passiven und einen aktiven 3a-Anlagefonds mit je 75 % Aktienquote. Der Gebühren- und damit Renditeunterschied von 1.45 % wirkt sich auf lange Sicht heftig aus: mit dem günstigeren Produkt erhält Reto rund 30 % mehr Endvermögen. Wir merken uns: weniger Gebühren = höhere Rendite = mehr Kapital am Ende.

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Wieso solltest du früh in die Säule 3a einzahlen?
Wie gross der Effekt einer einzigen kleinen Massnahme sein kann, zeigt der Einzahlungszeitpunkt: Wer seinen 3a-Maximalbetrag am Jahresanfang statt am Jahresende einzahlt, erhält am Ende rund 15 % mehr Endvermögen. Dieselbe Summe. Derselbe Aufwand. Einfach früher überwiesen. Der Zinseszins macht’s möglich.
Magst du wissen, ob sich Sparen und Leben gleichzeitig vereinbaren lassen? Dieser Artikel zeigt, wie du beides schaffst, ohne auf alles zu verzichten.

Zusammenfassung: Zinseszins-Effekt für die Altersvorsorge
Das Konzept des Zinseszins-Effekts ist einfach: mit Geld mehr Geld verdienen. Das Kapital vermehrt sich nicht linear, sondern exponentiell. Die ersten 100’000 Franken sind der härteste Teil des Weges; danach beginnt das Kapital, schneller zu wachsen als die eigene Sparrate. Wer früh anfängt, konsequent investiert und die Kosten tief hält, profitiert maximal von dieser Hebelwirkung.
Drei Dinge, die du heute tun kannst: Erstens, Startvermögen maximieren. Lieber mehr sparen als weniger. Einmalige Zahlungen wie Bonus, Steuerrückerstattung oder 13. Monatslohn konsequent investieren statt konsumieren. Zweitens, von möglichst hoher Rendite profitieren. Wähle eine Anlage mit passendem Rendite/Risiko-Profil und optimiere die Kosten. Kleine Unterschiede bei Gebühren wirken sich über lange Zeiträume gross aus. Drittens, Zinseszins bei Krediten abstellen. Der Effekt wirkt auch bei Konsumkrediten und Kreditkartenschulden. Vermeide ihre Aufnahme und tilge bestehende möglichst rasch.

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Unser Tipp:
Mit der 72er Regel kannst du abschätzen, wie lange es dauert bis sich dein Startguthaben verdoppelt. Nehmen wir an, du erzielst auf dein Startvermögen eine Rendite von 6.7% pro Jahr. Das entspricht etwa der durchschnittlichen Rendite des Weltaktienmarkts (MSCI World) über die letzten Jahrzehnte. Wie lange dauert es bis sich dein Startvermögen verdoppelt? Die 72er Regel sagt dazu: teile 72 durch den Zinssatz in Prozent. In unserem Beispiel wird sich dein Vermögen aufgrund des Zinseszins-Effekts also nach ungefähr 10.7 Jahren (=72/7), also nach 10 Jahren und 9 Monaten verdoppelt haben.
Disclaimer
Der Inhalt dieses Artikels dient ausschliesslich zu Weiterbildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Finanzempfehlungen oder Werbematerial dar.
Wir haben für die Erstellung der Inhalte dieses Artikels grosse Sorgfalt angewendet. Fehler können wir trotzdem nicht ausschliessen und können keine Gewähr für inhaltliche Korrektheit, Aktualität des Inhalts und Vollständigkeit bieten. Der Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Wir bieten keine Anlage- oder Steuerberatung an und empfehlen Steuerfragen in jedem Fall mit einem Steuerexperten und/oder der zuständigen kantonalen Steuerverwaltung abzuklären. Jegliche Haftung wird abgelehnt. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, die im schlimmsten Fall zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen können.

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Last update: 16.05.2026 15:59

